verſagen. Was willſt Du wiſſen? Laſſe die Vergangenheit ruhen
und ſtöre den Frieden nicht, den ich ſo mühſam mir errungen habe. Selbſt iſt der Mann, ob er nun in der Hütte, oder im Grafenſchloſſe geboren iſt, danach ſoll und darf Niemand frager, ſeine Thaten müſſen für ihn zeugen!“
„Ja, wenn dieſer Grundſatz allgemein gälte! Wenn ich bis⸗ her meiner Vergangenheit gedachte, ſo zeigte ſie mir nur freund⸗ liche Bilder,“ fuhr Willy fort, indem er, wie in Sinnen verloren, das Haupt auf den Arm ſtützte,„Bilder, auf denen das geiſtige Auge mit Wohlgefallen ruhte. Ich verkenne die Liebe und Sorg⸗ falt nicht, mit der Du meine Schritte geleitet und mich erzogen haſt, ich werde Dir dafür danken bis über das Grab hinaus. Manchmal meine ich mich einer noch ferneren Zeit zu entſinnen, in der eine andere Frau von mir Mutter genannt wurde, aber dieſe Erinnerung iſt zu dnnkel, als daß ich ſie feſthalten könnte.“
„Jene Frau war Deine Pflegemutter!“ ſchaltete Frau Magda⸗ lena ein.„Ihr vertraute ich Dich an, als die Verhältniſſe mich zwangen, in der Fremde ein Unterkommen für mich zu ſuchen. Eo waren für mich furchtbare Jahre, aber ich ertrug die Schick⸗ ſalsſchtäge geduldig, auf eine beſſere Zeit hoffend, und die Hoff⸗ nung hat mich nicht betrogen.“
„So weit meine Erinnerung reicht, warſt Du an meiner Seite, und Deine Liebe ließ mich den Vater nicht vermiſſen. Jetzt aber entſinne ich mich auch wieder, daß meine Schulkameraden ſich mir fern hielten, und daß es mir niemals gelingen wollte, Freunde unter ihnen zu erwerben.“
„Iſt Hellmuth Waldſtern nicht Dein Freund?“
„Ihn lernte ich erſt ſpäter kennen, gleiches Streben beſeelte uns, unſere Charaktere und Anſchauungen harmonirten mitein⸗ ander, und ſein ſtets ſchlagfertiger Humor ergänzte meinen Ernſt. So fanden und verbanden wir uns raſch, und Arabella wurde in unſerm Bunde die Dritte.“
„Und glaubſt Du denn, die böſen Zungen urtheilten nicht auch ganz anders über Deine Freundſchaft zu der gefeierten Sängerin?“
„Was wollen ſie darüber ſagen? Arabella Grimaldi iſt ohne Makel; kein Schatten fällt auf ihren Lebenswandel, kein Mann kann ſich rühmen, jemals mehr als einen freundlichen Blick von
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