Druckschrift 
Der Bastard oder eine Mutter aus dem Volk und der Mann von Adel. 1. Bd.
Entstehung
Düsseldorf [o.J.]
Einzelbild herunterladen

Willy erhob ſich, langſam ſchritt er durch das anſtoßende Ge⸗

mach in das gemeinſame Wohnzimmer.

Es war ein recht freundliches und wenn auch einfach, ſo doch geſchmackvoll ausgeſtattetes Gemach, welches auf Jeden, der es betrat, einen wohlthuenden Eindruck machte.

Und dieſer Eindruck wurde erhöht durch die ſchöne ſtattliche

Erſcheinung der Frau Magdalena Rodenberg, in der man eben⸗ wohl eine ältere Schweſter, wie die Mutter des Malers hätte erblicken können.

Hatte ſie auch das vierzigſte Lebensjahr ſchon überſchritten and waren auch die Kämpfe und Stürme einer bewegten und an bitteren Erfahrungen reichen Vergangenheit nicht ſo ganz ſpurlos an ihr vorübergegangen, ſo durfte man ſie doch noch immer eine chöne Erſcheinung nennen, eine jener Erſcheinungen, in deren Nähe man ſich wohl fühlen muß, weil der Zauber würdevoller Hohheit und eines nnerſchütterlichen Seelenfriedens ſie umgibt und von ihnen ausgeht.

Aber heute ſcheuchte das freundliche Lächeln der Mutter nicht die finſteren Schatten von der ſonſt ſo heitern Stirne des Sohnes, elbſt der Kuß, den ſie auf ſeine Stirne drückte, konnte ihm die Heiterkeit nicht zurückgeben.

Hat man Dir die freudige Botſchaft noch nicht gebracht? ragte ſie zärtlich, während ſie ſeine Hand erfaßte und ihn neben ſich auf den Divan niederzog.Du haſt den erſten Preis er⸗ halten

Ich weiß es ſchon, ßiel Willy ihr ungeduldig in's Wort, Arabella theilte es mir mit.

Und dennoch ſo ernſt und verſtimmt? Man wird Dich uim dieſen Erfolg beneiden

Eben das verſtimmt mich!

Ich begreife Dich nicht, Willy! Soll der Gedanke an dieſen Reid Dir die Freude verbittern? Ihm kann Niemand entgehen, den das Glück begünſtigt.

Der junge Mann ſtrich mit der Hand über die hohe Stirne, dann heftete er den forſchenden Blick feſt auf das Antlitz der Mutter, er ſchien in die geheimſten Tiefen ihrer Seele eindringen zu wollen.