Druckschrift 
Der Bastard oder eine Mutter aus dem Volk und der Mann von Adel. 1. Bd.
Entstehung
Düsseldorf [o.J.]
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Willy hatte der jungen Dame einen alterthümlich geſchnitzten Seſſel hingeſchoben, er ſelbſt nahm vor ſeiner Staffelei wieder Platz.

Nach Italien? wiederholte er ſinnend.Wer weiß! Möchten Sie nicht auch Ihr ſonniges Vaterland wiederſehen? Empfindet ls Heimweh nach jenem Lande, an das für Sie

Ihr Herz niema 12

ſo viele Erinnerungen ſich knüpfer

Ein tiefernſter, wehmüthiger Zug umzuckte die roſigen Lippen Arabella's. Wiſſen Sie denn, ob dieſe Erinnerungen ſüß und angenehm ſind? fragte ſie leiſe.Die Tage meiner erſten Kind⸗ heit, die ich in jenem ſonnigen Lande verbrachte, haben mir der Dornen viele und der Blüthen wenige geboten, ein ſtetes Umher⸗ wandern von Ort zu Ort, ein Kampf mit Strapatzen und Ent⸗

behrungen und haben Sie ſchon Precioſa geſehen? Gewiß, nickte der Maler, deſſen treuherziger Blick voll

warmer Theilnahme auf dem wunderbar ſchönen Antlitz ruhte.

Dann brauche ich Ihnen nichts weiter zu ſagen, als daß die Kindheit Precioſa's, dieſer wandernden Zigeunertochter, auch meine Kindheit war.

Unmöglich! bemerkte Willy.

Und weshalb ſollte es unmöglich ſein? erwiderte Arabella, mit der feinen Hand leiſe über ihre Stirne ſtreichend, als ob ſie

jene Erinnerungen verſcheuchen wolle.Das Alles iſt ſo ſcharf

und klar meinem Gedächtniß eingeprägt, daß ich keinen Zweifel an der Wahrheit diefer Erlebniſſe hegen kann. Nach jener Zeit kam dann eine andere; ich war noch immer ein Kind, als meine Mutter mit mir nach Deutſchland zog, und ich will gerne zugeben, daß nun beſſere Tage folgten.

Tage der Freude, des Glücks und des Ruhmes, ſagte Willy, während ſein Blick ſinnend auf der halbvollendeten Landſchaft ruhte, die vor ihm auf der Staffelei ſtand.Aus dem Zigeuner⸗ kinde, als welches Sie ſelbſt ſich bezeichnen, wurde eine berühmte, gefeierte Sängerin, die alle Herzen im Fluge erobert, der Jeder huldigend zu Füßen liegt?

Und glauben Sie, daß dieſe Huldigungen mir Freude be⸗ reiten? fragte Arabella mit leichtem Achſelzucken. Ich verachte die Männer, die mich zu lieben behaupten, weil meine Stimme ſie bezaubert hat, ich haſſe die, welche ſich unwiderſtehlich halten