200
Fünfter Auszug.
Chateau Hautbrien.
Ich habe Dir, liebe Helene, damals das ſüße Ge⸗ heimniß meines Lebens anvertraut, ich habe Dir meine Liebe geſtanden. Du biſt aber auch die alleinige Perſon, welche davon weiß,— ſelbſt nicht Frank,— wenigſtens nicht, daß ich es mit Worten gegen ihn ausgeſprochen hätte,— aber wozu bedarf es auch der Worte? Weiß doch ich es, daß er mich liebt, ohne daß er es mit einer Sylbe mir geſagt,— und ſo mag er es wohl auch wiſſen; ich nahm kein Bedenken es ihm zu zeigen. Wie kam es, daß ich ihn liebte?— Ganz natürlich. Es mußte ſo kommen. Die erſte Bewegung, die mich be⸗ ſtimmte, ihn nach Chateau Hautbrien bringen zu laſſen, war Mitleid— nichts als Mitleid,— ich hätte daſſelbe auch einem alten, häßlichen Mann gethan; aber dann, als er im Schloſſe war und auf die Einladung meines Groß⸗ vaters bei Tiſche erſchien, da wurde er mir bald intereſſant. Jedes Mädchen muß durch ſeine äußere Erſcheinung über⸗ raſcht ſein,— er iſt ein ſchöner Mann,— nimm noch dazu das Geheimnißvolle ſeines Auftretens, und Du wirſt es erklärlich finden, daß er das Intereſſe eines jeden jungen Mädchens erregen wird. Seine Manieren ſind frei und


