186
nur allmälig dem Meere zu, bis ſie plötzlich abbrechen, um als ſtarre Klippen der ſchäumenden Brandung ſich ent⸗ gegenzuſtemmen. Doch zwiſchen den Klippen und Riſſen haben ſich kühne Menſchen feſtgeſetzt, haben kleine Hütten gebaut, und leben hier lieber als im anmuthigen und ru⸗ higen Thale,— es iſt das Fiſcherdörfchen„la Sauſſaie,“ — Manche mögen dieſes ſonderbar finden,— ich habe es immer ganz erklärlich gefunden,— ich ritt auch recht oft nach„la Sauſſaie,“— vielleicht wäre es für mich gut geweſen, wenn ich nie dahin gekommen wäre,— doch, wer weiß es!7 Der Anblick des weiten Oceans hatte für mich unge⸗ mein viel Anziehendes, und ſchon als ganz kleines Mäd⸗ chen beſtürmte ich Großvater und Großmutter ſo lange, bis ſie mir erlaubten, ein winziges Zimmerchen in der höchſten Höhe des Thurmes als mein Wohnzimmer zu beziehen. Hier wohnte ich, wohl achtzig oder neunzig Fuß über der Erde, hier lernte ich meine Aufgaben, hier ſaß ich ſtunden⸗ lang am Fenſter, und blickte über die Berge und Wälder hin, dem fernen Meere zu, hier ſchlief,— hier träumte ich,— oft mit wachem Auge. Damals ahnte ich nicht, was dieſes Meer mir bringen werde!— Ich ſchreibe da wohl ein ganz ſonderbares Tagebuch nieder;— aber, liebe Helene, laß mich ſchwelgen in der ſüßen Erinnerung der Vergangenheit—————
6


