Teil eines Werkes 
2. Theil (1826)
Einzelbild herunterladen

entfernen. Von ihrer Freundin verlaſſen, wollte ſie zu ihrem Vater zurückkehren. Niemand hatte das Recht, ſich dieſem Wunſche zu widerſetzen; und der Seneſchal von Frankreich, ein immer zärtlicher und treuer Liebha⸗ ber, begleitete ſie nach Montolin.

Auf dem Wege von Karency nach Montolin konnte Wilhelm von Barres die Regungen ſeines Herzens nicht unterdrücken; er ſchilderte ihr ſeine Gefühle, und beſchwor ſie um ein Wort der Hoffnung.

Iſolette kannte ſeine Liebe. Sie hörte ihn davon ſprechen, und ward nicht im geringſten dadurch bewegt. Er nahte ihr, ſie bemerkte es kaum; er nahm ihre Hand, ſie blieb kalt in der ſeinigen; er ſchilderte ihr mit feu⸗ rigen Ausdrücken ſeine Glut, aber der kalte Schlag ih⸗ res Herzens blieb ſich gleich. Wilhelm, entſage ihr!.. Du wirſt nie geliebt werden.

Sie gelangten an das ufer des See's. Der Mond, einem ſilbernen Bogen auf azurnem Felde gleich, ſpiegelte ſeine ſanfte Helle in dem Kriſtall der Wogen, und ein milder Abendwind verbreitete längs des Strandes den ſüßen Duft der Waldblumen.

In der Ferne modulirte ein Hirte des Thals eine ſanfte Weiſe auf ſeiner Rohrflöte; die klagenden Töne des ländlichen Inſtruments hatten die Feierlichkeit einer

überirdiſchen Muſik angenommen, gleich als hätte das Il. 13