Teil eines Werkes 
1. Theil (1826)
Einzelbild herunterladen

190

tigem Befehle zuwider es wagen ſollte, ihre Freiheit anzugreifen, wird ſich unſere königliche Ungnade zuzie⸗ hen, und nach aller Strenge beſtraft werden.

Philipps unterſchrift, das Wappen von Frankreich, das Inſiegel des Monarchen, nichts fehlte dem königlichen Dekret. Wer könnte das Erſtaunen der Richter, des Abts, und der ganzen Verſammlung ſchildern! Die Land⸗ leute gedachten der alten Traditionen, welche den Ge⸗ richtsſaal ſo berühmt gemacht hatten. Nie wurde auf der Schwelle der Ewigkeit ein urtheil ausgeſprochen, dem nicht ein Wunder vorangegangen oder gefolgt wäre. Auch dieß Mal ſollte ſie ihren Ruhm nicht verlieren.

Der erhabene Held Frankreichs und die ſchöne Agnes

von Meran ſchätzten alſo beide die Fremde, kannten beide ihr unglück und ſchützten beide ihr Leben!.. Und den⸗ noch bewohnte ſie allein ihre Hütte, hatte mit Niemand Gemeinſchaft, und jedermann hielt ſie für verbannt. Sie hatte keinen Rang und ſchien ohne Vermögen zu ſeynz ſie ſelbſt nannte ſich ohne Stütze, von dem ganzen menſch⸗ lichen Geſchlecht verlaſſen. Wie war ein ſolches Geheim⸗ niß zu begreifen. Dieſe verdächtige Abenteurerin, wel⸗ che der ganze Canton verachtete, war die Freundin der Könige und Königinnen, ſtand unter dem Schutze der Großen!. Wäre dieſe elende unbekannte vielleicht doch von hoher Geburt! Was ſollte man denken! was ſagen! was thun!