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„Seltſames Weib!“ ſagte der Abt.„Welche Reden! wer kann Euch begreifen, und wer wird es wa⸗ gen, Euch zu richten!“
„Wer es wagen wird, ſie zu richten!“ rief Alaiſens junger Zögling mit einer Beredſamkeit, wel⸗ che ihr plötzlich durch Furcht, Liebe und Dankbarkeit ein⸗ geflößt ward; ſagt: wer wirdes wagen, ſie zu verdammen!.„ O, ſie iſt ſchon im Stillen von allen losgeſprochen, welche Augen haben, um ihre Ge⸗ ſichtszüge zu ſehen, Ohren, um ihre Stimme zu hören, Herzen, um ihre Seele zu verſtehen. Richter! ich bin nur eine arme fünfzehnjährige Waiſe;z aber ich lebe ſchon lange bei ihr, und Ihr müßt mein Zeugniß anhören. Geſtern habe ich, durch den Engel hier unterrichtet, am Fuße des Altars zum erſten Male das Brod des ewigen Lebens empfangen; wohlan! in dieſem Augenblick von jeder Sünde rein, von allem Makel frei, und gleichſam neugeboren aus dem Waſſer der Taufe hervorgegangen, von der Kraft der göttlichen Gnade erfüllt, erkläre ich im Namen des Erlöſers, der in mir lebt, der aus mir ſpricht, daß dieß Weib unſchuldig, daß ſie rein iſt wie die Geiſter, welche den Thron Gottes umgeben; daß ſie das heilige Muſter evangeliſcher Frömmigkeit iſt, und daß keiner unter Euch ihre Stärke und ihre Tugenden veſitzt. Richter! ihr habt mich gehört! ich bin aufrichtig und ſcheu; nie haben meine Lippen eine lange Rede


