Alaiſens an!... Der Prior, ſtumm und nachdenkend, ſchien in tiefe Verwunderung verſunken.
„Wer hat Dir dieß Schreiben übergeben?“ fragte einer der Prieſter Nicetten.
„Dieſen Morgen, Herr,“ antwortete ſie:„fand ich es in dem Zimmer meiner Gebieterin.“
„Wer hat es dahin gebracht?“
„Ich weiß es nicht. Aber Dank der Sorgfalt mei⸗ ner Wohlthäterin, ich kann leſen. und ich habe ge⸗ leſen.*
Der Prior wendete ſich zu der Angeklagen.„Frem⸗ de, ſagte er, ſie aufmerkſam betrachtend:„warum habt Ihr nicht ſelbſt bei Euern Richtern das wichtige Dokument, welches Ihr beſeſſen, geltend gemacht? Ein Weib, welches die tugendhafte Prinzeſſin von Meran in Schutz nimmt, kann keine verächtliche Creatur ſeyn.. Agneſens Theilnahme an Euch, iſt für Eure Vertheidi⸗ gung von großem Gewicht.“
„Herr,“ antwortete Alais:„ich habe es ſchon ge⸗ ſagt, und wiederhole es jetzt: mein Schickſal iſt mir gleichgiltig. uebrigens ſpricht Agneſens königliches Schrei⸗ ben, welches ſchon lange in meinem Beſitze iſt, mich nicht von den neuen Verbrechen frei, deren man mich
veſchuldigt; ich habe nicht daran gedacht, daß es mir in
dieſer Sache nützlich ſeyn könnte. Einſt konnte ich ſeiner würdig ſeyn, jetzt bin ich es nicht mehr.“
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