Teil eines Werkes 
1. Theil (1826)
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ſie oede und leer. Aller Anſchein, alle Zeugniſſe klagen die Fremde an. Gott der Gerechtigkeit! Gott der Rache! laß uns weder durch Vorurtheile, noch durch Irrthum, noch durch Feindſeligkeit verblendet ſeyn. Dein heiliger Geiſt erleuchte uns.

Er hatte dieſe Worte vollendet, als die Fremde erſchien. Sie ward von Prieſtern begleitet. Alle Blik⸗ ke fielen ſogleich auf ſie. Jedermann ſuchte ſich ihr zu nähern, und nur mühſam gelang es den Lanzenknechten, die nöthige Ordnung zu erhalten.

Sie trug ein höchſt einfaches Gewand von ſchwarzer Serge. Ein weißer Schleier verbarg ihr Geſicht zur Hälf⸗ te und ließ einen alabaſterweißen Nacken ſehen; ihr zier⸗ licher ſchlanker Wuchs ſtellte ſich grazienhaft unter den leichten Falten ihres Gewandes dar. So erſcheinen un⸗ ter dem Pinſel des Genius die Formen der Sylphiden, wenn dieſe luftigen Schönheiten von den Abenddünſten umgeben, die Azurflächen durcheilen.

Die blendende Weiße ihrer Haut, ihr beſcheidenes jungfräuliches Anſehen, ihre Jugend, ihr unglück beweg⸗ ten alle Zuſchauer. Ein Gemurmel des Erſtaunens, der Bewunderung, der Rührung erhob ſich. Sie ſchien eine Stunde der Nacht zu ſeyn, die, ſchön im Arm des Schat⸗ tens zur ſüßen Blumenzeit, geheimnißvoll und verſchlei⸗

ert dem erſten Sonnenſtrahl voran geht.

Dieß war das erſte Mal, daß der Prior die Frem⸗ 12