Teil eines Werkes 
1. Theil (1826)
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Ein einziger Menſch hatte ſeine Erziehung geleitet; dieß war der gelehrte Olburg. Kaltblütig und verſchmitzt wie er war, durchſchaute er alle Geheimniſſe des Geiſtes, ohne einen Begriff von den ſüßen Gefühlen des Herzens zu haben. Hätte ihn das Schickſal in einem hohen Rang geboren werden laſſen, ſo würde er durch ſeine Kennt⸗ niſſe, ſeine Talente und Ueberredungskunſt, vielleicht ein großer Mann geſchienen haben, denn in ihm war zugleich die ahnende Einbildungskraft, der ſchaſſende Genius, und gebieteriſche Kühnheit vereint; allein auf der Stufe, die ihm das Schickſal angewieſen, konnte ſein Ehrgeiz, im Mißverhältniß mit ſeinem Stande, keinen Raum ge⸗ winnen. Seine enge Sphäre verwünſchend, ſtrebte er nach einem hohen Standpunkt in der Geſeleſchaft und ſchmeichelte ſich mit der Hoffnung ihn zu erreichen. Zu dieſem Zwecke betrachtete er ſeines Gleichen nur als In⸗ ſtrumente oder Hinderniſſe; er verachtete im Geheimen die Tugend als eine Abgeſchmacktheit, und bediente ſich ihrer dennoch als Mittel, ſein Ziel zu erreichen.

Der Graf von Ravenſtel, ſein Zögling, beſaß un⸗ ermeßliche Reichthümer; ſeine Geburt bahnte ihm den Weg zu den höchſten Ehrenſtellenz ja, ſein Haupt war nicht unwürdig eine Krone zu tragen, denn er war ein Nachkomme des erſten chriſtlichen Königs der armoriſchen Länder, des berühmten Conan Meriadec.

Herr von Montolin hatte, als Vormünder ſeines