Teil eines Werkes 
Entstehung
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292 darauf einen Augenblick mit ihm allein war. Sie hatte eine reiche Verwandte beerbt und die Güter dem Kloſter, worin ſie aufgenommen wurde, geſchenkt. Sobald ſie dies Moritzen mit wenigen Worken geſagt hatte, verließ ſie das Gemach. Er ſah ſie auch nicht wieder, denn bald nachher wurden ihm ſolgende Zeilen eingehändigt:

Ich glaube klug zu handeln, wenn ich uns den Abſchied erſpare. Du haſt mich zum letzten Male ge⸗ ſehen, Moritz! Kehre nun unverweilt dahin zurück, wo Liebe und häusliches Glück Deiner warten, und vergiß auf immer ein unglückliches, ach! ein ſchuldiges Weib, welches den Reſt ihres Lebens im Gebete und Buße ver⸗ bringen wird. Bemühe Dich nie den Ort auszumitteln wo ich mich befinde, denn es würde doch vergebens ſeyn. Aber ſey überzeugt, daß, wenn ich in den ſtillen Mauern meines Kloſters die Welt und Alles was darin iſt ver⸗ geſſen habe, ſo werde ich doch Deiner und der Deinigen oft in meinen Gebeten gedenken. Lebe wohl!

Der Ueberbringer ſah Moritz mit einem fragenden Blicke an, und ſchien zu wünſchen, daß er hier nicht län ger verweile Vielleicht befürchtete er, Klara's Ent⸗ ſchluß könne dadurch noch wankend und die für das Klo⸗ ſter beſtimmte reiche Gabe abſpenſtig gemacht werden. Moritz verließ recht bald die Stadt, um in den Schooß der Seinigen zurückzukehren.

Sechsundzwanzigſtes Kapitel. Beſchluß.

Nil praetermissum est: vos valete et plaudite. Terentius.

Du haſt die Erzählung geleſen, Henriette! und Dein Urtheil war ſo günſtig, mich zur Herausgabe an⸗