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zuſpornen. Deine Bemerkungen waren ſehr richtig. Doch ich muß Dir verſichern, daß ich im Verlaufe meiner Er⸗ zählung darauf bedacht war, die Menſchen ſo zu ſchildern, wie die mir vorliegenden Urkunden ſie darſtellen, mit allen ihren Schwächen und Mängeln, und keineswegs als Ideale, wie eine rege Einbildungskraft ſie ſich bildet. Du wünſcheſt, daß ich noch einige Reihen hinzufüge, und Dich und die Leſer mit den ferneren Schickſalen unſer hauptdramatiſchen Perſonen bekannt mache. Dies war auch meine Abſicht, und ich thue es um ſo lieber, da die Entwickelung einen heiterern Charakter annimmt, als in dieſen letzten Kapiteln vorherrſchte.
Im Anfange des Sommers 1623 wurden Moritz und Emma durch die feſteſten und heiligſten Banden vereinigt. Das Hochzeitsfeſt wurde glänzend im Haag gefeiert. Herr und Frau von Heerema waren auch zugegen, und da die Erbſchaftsangelegenheiten nun zu beider Parteien Zufriedenheit beigelegt waren, ſo machte die nahe Verwandtſchaft wieder ihre Rechte gültig, und das innigſte freundſchaftliche Verhältniß wurde ganz wie⸗ der hergeſtellt. Zufällig befand ſich damals der Secre⸗ tarius Baart im Haag, um, wie man ſagt, neue und nicht zu beſtreitende Beweiſe aufzufinden, daß Ameland und kein anderer Ort das Foſetenland der Chro⸗ niken ſey, und wie es ſich von ſelbſt verſteht, war auch er unter den Hochzeitsgäſten. Moritzens und Em⸗ ma's ehliches Glück war vollkommen, und wurde mit mehreren blühenden Söhnen und Töchtern geſegnet. Herr und Frau von Solingen waren noch viele Jahre Zeugen des Glückes ihrer Kinder. Wenn Moritz mit ſeiner anmuthigen Gemahlin nach Rotterdam kam, ſo ver⸗ ſäumte er nicht ſeinen Freund Held und deſſen Haus⸗ genoſſen zu beſuchen; und ſo lange dieſer wackere Hospes lebte, ſandte er ihm jedes Mal auf Faſtnacht ein Geſchenk vom beſten Rheinwein, um ihn mit ſeinen fröhlichen


