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zurückfuhr; denn er hatte die Frau auch erkannt: es war die Gattin des kurz vorher enthaupteten Slatius.
Dieſe hatte das Geſchrei gehört; blickte auf, und als ſie die Fremden gewahr wurde, näherte ſie ſich ihnen mit aufgehobenem Spaten, und ſprach in einem Wahn⸗ ſinn verrathenden Tone—„Wer ſeyd Ihr? was wollt Ihr hier; wollt Ihr mir meine Beute wieder abjagen? Bei Gott! das ſoll Euch nicht gluͤcken!“
Klara, welche bis jetzt ihr Antlitz an Moritzens Bruſt verborgen hatte, ſah jetzt ängſtlich auf. Zufällig trug ſie daſſelbe Gewand, womit ſie, wie vor einigen Wochen in Slatius Wohnung bekleidet war, wodurch die Aufmerkſamkeit dieſer Frau rege gemacht wurde. Sie trat noch einige Schritte näher und ſprach:
„Was iſt das? ſeyd Ihr nicht daſſelbe ſchöne Fräu⸗ lein, welches ich ſchon einmal ſah und auch an der blu⸗ tigen Mahlzeit theilnehmen wollte? Seht der Tiſch iſt gedeckt, und das Blut hat die Becher gefüllt, und ſie haben es genoſſen, aber doch ihren Durſt noch nicht ge⸗ öſ aber das war nicht das Blut, welches Ihr zum Gaſtmahle beſtimmt hattet.“
„Um Gottes Willen! laß uns von hier wegeilen!“ — ſchluchzte Klara, ſich an Moritzens Arm feſt⸗ klammernd.
„Nein, geht nicht,“— erwiederte die Geiſteskranke —„ſeht hier! das ſind die zerſtümmelten Glieder mei⸗ nes Mannes: Ihr dürft mich aber nicht verrathen, ich habe ſie vom Rad geſtohlen. Laßt den Henker mit ſeinen Knechten, mit ihren Schwertern und Folterwerkzeugen nur kommen, wenn ſie Muth dazu haben.... ich werde meinen Raub vertheidigen, wie eine Tigerin ihre Jungen. Wiſſet! ich habe ſchon zwei Mal in dieſer Nacht den böſen Geiſt, der in Geſtalt eines ſchwarzen Hundes zu mir kam, von mir abgewehrt— und ich ſollte nicht die Kraft haben, dieſe blutigen Gliedmaßen gegen die Men⸗
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