Teil eines Werkes 
Entstehung
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289 waren ſie in Zeit von zwei Stunden kaum bis Vor⸗ burg gekommen, und hier war der ſtörriſche Fuhrmaun auch nicht zu bewegen, den diretteſten Weg zu verfolgen ſondern er wollte über Ryswyk fahren, um bei ſeinem Bruder im Herrn, wie er ſich ausdrückte, den armen Thieren, welche⸗ ſo gut als wir von Fleiſch und Blut wären, ein Stückchen Brod zu geben.

Der Weg, welchen er dahin zu gelangen einſchlug war ſo ſchlecht, daß ein Rad ſn Moraſte ſtecken blieb und nicht ohne Hülfe wieder daraus zu befreien war. Doch nichts konnte den Fuhrmann bewegen, ſein Fuhr⸗ werk zu verlaſſen, und Moritz und Klara ſahen ſich genöthigt, auszuſteigen, um ſich in der Nachbarſchaft Hülfe zu verſchaffen.

Sie hatten kaum einige Schritte zurückgelegt, als ſie nicht fern vom Wege ein Licht ſahen, das ſich bald deutlich zeigte, bald wieder ganz verſchwand. Sie ver⸗ folgten auf einem Fußwege dieſe Si und erreich⸗ ten in wenigen Minuten ein große Feld, welches rund herum mit Bäumen bepflanzt war. An einem derſelben hing eine Leuchte, welche von dem Winde una hin und her bewegt wurde, und deren flackerndes Licht ein entſetzliches Schauſpiel darbot. Eine Frau mit bloßem Kopfe und hängenden Haaren, welche ſchauerlich durch den Wind bewegt wurden, war am Fuße des Baumes mit Graben beſchäftigt. Dieſe Arbeit nahm ſie ſo ſehr in Anſpruch, daß ſie die Herankommenden nicht bemerkte. Jetzt ſchien das Grab, welches die Unbekannte grub, fer⸗ tig zu ſeyn. Sie nahm einen Sack, der neben ihr lag, öffnete ihn, und warf deſſen Inhalt hinein; es waren verſtümelte Gliedmaßen eines In demſelben Angenblicke wurde der Frauen Antlitz durch einen hellen Strahl der Laterne beleuchtet, und Klara warf ſich mit einem Geſchrei in Mor itzen s Arme, der ängſtlich

Der Schutzgeiſt. II. 19