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des Statthalters. Die Häupter wurden gefänglich einge⸗ zogen, und nach dem Haag transportirt. Bis zu dieſem Augenblick vertraute er muthig auf die Gerechtigkeit ſeiner Sache. Wir folgten ihm alle nach dem Haag und beſuchten ihn täglich in ſeinem Gefängniſſe. Doch eine unbeſchreibliche Schwermuth hatte ſich dieſes ſonſt ſo ſtolzen Mannes bemächtigt. Hier drückte er mich oft mit einer gränzenloſen Zärtlichkeit an ſein Herz, wobei er in ſich Worte ausſprach, wovon ich aber nur verſtand: „O Gott! bis an den Bettelſtab gebracht!“—„Was ſoll aus Dir werden mein Kind!“ Dann bemühete ich mich, ihn zu tröſten, und ihm die Falten von der Stirn zu küſſen, doch vergebens. Er ahnete es, daß man ihm die Freiheit oder gar das Leben nehmen würde; doch
dies beunruhigte ihn nicht, wohl aber der Gedanke, daß
man ſeine Guͤter einziehen würde, wodurch wir in eine hülfloſe Lage verſetzt würden. Daher faßte er den Ent⸗ ſchluß, ſich für die Seinigen aufzuopfern, denn wenn er ſtürbe, bevor das Urtheil ausgeſprochen ſey, meinte er, könnten ſeine Güter nicht verluſtig erklärt werden. Am Tage zuvor, ehe er dieſen Entſchluß ausführte, waren wir noch Alle bei ihm. Als er uns beim Weggehen, einzeln umarmte, ſchien ſeine Standhaftigkeit für einen Augenblick zu weichen; doch er ermannte ſich bald wieder und war ſo gelaſſen als zuvor. Er begleitete uns bis an die Thür ſeines Gefängniſſes, und drückte mir noch den letzten Kuß auf die Stirn. Ich ſah ihn nicht wieder.“
„In der Nacht, während mein Bruder in ſeiner Nähe
ſchlief, führte er ſein erſchreckliches aber doch auch ſo liebe⸗ volles Vorhaben aus. In einem offenen Schreiben hat
er den Grund ſeiner verzweiflungsvollen Handlung nieder⸗ geſchrieben. Dies iſt der Zettel“— ſagte ſie, indem ſie ein Papier aus ihrem Bruſttuche hervorzog—„ich werde
ſitivn bildete, unterlag endlich der herrſchſüchtigen Gewalt
mich nie davon trennen, er ſoll mit mir begraben wer⸗
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