„Nicht wahr? es ſcheint Dir unmöglich, daß ein Zeitraum von ſo wenigen Wochen ſolche Spuren hinter⸗ laſſen konnte?“
„Du mußt wirklich ſehr krank ſeyn, Klara!“— er⸗ wiederte Moritz.
„Ja, ich habe ſehr viel gelitten; glaube jedoch nicht, daß die Vereitelung eurer Pläne dieſe Veränderung her⸗ vorgebracht hat. Laß uns aber hierüber ſchweigen, denn 6 die Augenblicke unſeres Zuſammenſeyns ſind uns kärglich zugezählt. Bevor ich Dich um einen wichtigen Dienſt bitte, höre zuvor meine Geſchichte. Du kannteſt mich bisher nur unter einem angenommenen Namen, denn an meinen rechten Namen knüpfen ſich die traurigſten Rück⸗ erinnerungen. Ich bin die Tochter des unglücklichen Gilles von Ledenberg, der durch die Herrſchſucht des Statthalters zum unſchuldigen Schlachtopfer beſtimmt war, der aber ſeinen Kindern zu Liebe einen kürzeren Weg zu Gott zu gehen einſchlug. Ich war ſein Lieb⸗ ling, und er glaubte in meinem ſtolzen und ſchwer zu biegenden Charakter ein Abbild des ſeinigen zu finden. Camphuiſen, welchen Ihr kennt, der in einem Dorfe nahe bei unſerm Landgute Prediger war, wurde mein Lehrer. Ihm gelang es, mein Ungeſtüm zu bändigen, aber nicht völlig mein leidenſchaftliches Weſen zu unter⸗ drücken. Meines Vaters Amt feſſelte ihn an Utrecht, doch er beſuchte uns, ſo oft ſeine vielen Geſchäfte es ihm erlaubten, und jedesmal war ſeine erſte Frage nach mir. 1 Er war mißvergnügt, als er mich eines Tages nicht fand, 6 und kehrte ſogleich nach Utrecht. Dies ſage ich Dir nur, Moritz, um Dir einen Begriff zu machen, wie un⸗ endlich er mich liebte.“ ²
„Unterdeſſen fingen die Zeiten an unruhig zu werden.
Mein Vater war ein eifriger Anhänger Oldenbarne⸗ velds, dieſes Freiheit liebenden Greiſes. Doch dieſe Parthei, welche, wie Dir hinlänglich bekannt iſt, die Oppo⸗


