Teil eines Werkes 
Entstehung
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nichts von Klara erfahren hatte, erhielt er unver⸗ muthet einen Brief aus Leyden, an deſſen Aufſchrift er ſogleich ihre Hand erkannte. Gerührt öffnete er ihn und las:

Noch einmal, und dann auch zum letzten Male, wirſt Du, Moritz, Nachricht von mir erhalten. Die Zeit iſt erſchienen, wo Du mit dem Namen und den Schickſalen einer Unglücklichen, welche auch als eine un glückverkündende Erſcheinung ſich auf Deinem Lebens⸗ wege zeigte, jetzt aber im Begriffe iſt, ſich aus Deiner Nähe zu entfernen, befannt werden ſollſt. Sie wird Dich noch um eine letzte Gunſt bitten, die Du ihr auch beſtimmt nicht abſchlagen wirſt. Wenn ich nicht über⸗ zeugt wäre, daß Dein Herz wieder in ſeine Rechte ein getreten wäre, und daß dieſe letzte Zuſammenkunft für Deine und meine Ruhe gefährlich ſeyn könnte, dann würde ich den Wunſch, Dich zu ſehen, nicht einmal aus⸗ geſprochen haben, um Dir die traurige Aufklärung zu geben, welche Du von mir fordern kannſt. Am Schluſſe war noch der Ort angegeben, wo er ſie finden würde Nur an Dekla theilte er den Inhalt dieſer Zeilen mit, und auf ihren Rath hielt er auch den Zweck ſeiner Reiſe den übrigen Hausgenoſſen verborgen. Noch an demſel⸗ ben Abend reiste er nach Leyden und begab ſich ſo⸗ gleich nach Klar a's Wohnung.*

Man führte ihn in den hintern Theil eines Hauſes in Klara's Gemach. Vor einem Fenſter, deſſen Vor⸗ hänge herabgelaſſen waren, ſaß ſie in Trauerkleidern in Nachdenken verſunken. Sie wollte aufſtehen und Moritz entgegengehen, doch ihre Kräfte vermochten es nicht. Ein kalter Schauer durchrieſelte Moritz, als er ſie ſo ſah. In ihren Augen glänzte noch immer das frühere Feuer, obgleich ihre Wangen eingefallen waren und eine Todten⸗ bläſſe auf ihrem Antlitz ruhte. Sie reichte ihm ihre abgemagerte Hand und ſprach: