Teil eines Werkes 
Entstehung
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zelnen Male, wo der Zufall uns zuſammenführte, ſtan⸗ den wir uns minder oder mehr feindlich gegenüber. Ihr werdet daher nicht verlangen, daß ich Euch jetzt die Hand der Freundſchaft biete; doch wünſche ich nichts ſehnlicher, als bald die Nachricht zu erhalten, daß Ihr den Nachforſchungen Euerer Feinde entkommen ſeyd.

Und dies wird bald der Fall ſeyn, wenn mich meine Ahnung nicht täuſcht. Bald werde ich dieſe Wohnung verlaſſen. Alles iſt vorbereitet, meine Flucht vor einer jeden Nachforſchung zu ſichern, und in weni⸗ gen Tagen hoffe ich in Brüſſel zu ſeyn.

Ihr geht alſo zu den Feinden des Vaterlandes?

Jetzt hab' ich kein Vaterland mehr. Lebet wohl!

Lebet wohl! erwiederte Moritz, indem er das Zimmer und gleich darauf das Haus verließ, höchſt erſtaunt einestheils, daß Stoutenburg ſein Le⸗ ben einem ſolchen Menſchen anvertraut hatte, und an⸗ derntheils, daß ein ſolcher Geizhals der Verſuchung wi⸗ derſtand, die hohen Summen zu verdienen, welche auf die Häupter der Verſchwörung geſetzt waren.

Bald nachher hatte Stountenburg mit ſei⸗ nem Vetter von der Düſſen glücklich ſeine Flucht vollführt. Er kam in Brüſſel an, wo das ſpaniſche Gouvernement ihm Schutz zuſagte, und um nach eini⸗ gen vergeblichen Bemühungen wieder in ſeinem Vater⸗ lande Zutritt zu erlangen, faßte er den verzweifelten Entſchluß, ſeiner Religion und ſeinem Vaterlande abzu⸗ ſchwören. Er trat in ſpaniſche Dienſte, und man ſah ihn als Anführer eines Fähnleins Reiter, mit ſchwar⸗ zer Standarte, worin ein Todtenkopf als Zeichen der Rache, mit ſchwarzem Feldzeichen umgürtet, ſeine frü⸗ heren Landsleute bekriegen. Seine Gemahlin, welche ihn nie geliebt zu haben ſcheint, folgte ihm nie, und ſprach nur mit Abſcheu über ſein Verfahren.

Alle ferneren Nachforſchungen, Klara in Rot⸗