281
die ſchlanke männliche Geſtalt Stoutenhu rgs vor ſich zu ſehen.
„Was bedeutet das?“— redete ihn Stouten⸗ burg an, indem er ein Piſtol zur Hand nahm— „Kommt Ihr hierher, um mich zu verrathen, und hat der alte Schurke ſich doch beſtechen laſſen?“
„Ihr beurtheilt mich unrecht. So ſehr ich auch Euer Verfahren verabſcheue, ſo wird meine Hand Euch nie der Hand des Henkers überliefern.“
„Der Hand des Henkers?“— erwiederte Stou⸗ tenburg verächtlich lächelnd—„glaubt Ihr denn nicht, daß ich Mittel in Händen habe, wie die Catone und Brutuſſe der Vorzeit über mein Leben zu verfügen? Und was nennt Ihr ein Verbrechen? Die Welt von ei— nem Tyrannen befreien, verdient das einen ſolchen Na⸗ men? Und ich hatte mehr als die Freiheit meines Va⸗ terlandes, ich hatte das Blut meines Vaters zu rächen.“
„Laßt uns dieſen Punkt nicht berühren, und die koſtbare Zeit damit verſchwenden. Wiſſet, dieſelbe mäch⸗ tige Frau, welche vor wenigen Monaten drohend zwi⸗ ſchen uns trat, wußte durch einige Zeilen von ihrer Hand mir die Thüren zu Euch zu öffnen. Doch es war eine andere Perſon, die ich hier zu finden hoffte. Ihr wißt, wen ich meine. Könnt Ihr mich mit Klara's Aufenthalt bekannt machen?“
„Wo ſie jetzt iſt, weiß ich nicht. Aus meinem Munde hat ſie die Vereitelung unſerer Pläne vernom⸗ men, und kurz darauf hat ſie dieſe Stadt verlaſſen. Aus ihren Worten glaubte ich abzunehmen, daß ſie wünſche, ihr Aufenthalt möge Euch verborgen bleiben. Damit wäre nun wohl Eure Frage beantwortet?“
„Ich verſtehe Cuch, Stoutenburg! und ich ſoll mich entfernen. Ich will Euch nicht länger läſtig ſeyn. Der, welcher die Herzen ergründet, möge die Triebfedern, welche Euch anſpornten, richten. Die ein⸗


