Teil eines Werkes 
Entstehung
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kündigen ſchienen. Sie rührten von den Spaniern her, welche ſich um das Schloß herumgelagert hatten. All⸗ mählig wurde die mich umgebende Stille durch ein ſon⸗ derbares Geräuſch, dem Rauſchen der Flamme gleich, unterbrochen. Bald ſah ich auch, durch die ſtets zu⸗ nehmende Helligkeit, daß man das Schloß in Brand ge⸗ ſteckt hatte. Dieß erweckte einen neuen Plan in mir. Ich ſtieg die Treppe hinauf, und als ich auf der Zinne angekommen war, kamen mir die von zwei Seiten ſtets ſich mehrenden Flammen immer näher. Mit wahnſinniger Freude faßte ich den Entſchluß, hier zu ſterben. Schon war das Dach dem Einſturze nahe, und ich auf dem Punkte unter den glühenden Trümmern vergraben zu werden, als ich mich plötzlich von hinten ergriffen und fortgeriſſen fühlte. Abermals verlor ich mein Bewußt⸗ ſeyn, und als ich endlich wieder in das Leben zurückge⸗ rufen war, litt ich längere Zeit an einer Geiſtesver⸗ wirrung.

Doch das Glück, darin zu bleiben, ſollte mir nicht zu Theil werden; ich erlangte mein völliges Bewußtſeyn wieder, und erfuhr nun, wie ich dem Flammentode ent⸗ riſſen worden war. Unter den Spaniern war ein frühe⸗ rer Diener meines Geliebten, welcher ihm, da er, wie wir wiſſen, ſelbſt der Belagerung des Schloſſes beizuwoh⸗ nen verhindert wurde, auf's dringendſte anempfohlen hatte, Alles auf's genaueſte zu beachten. Den Verrath ſeiner Landsleute konnte er zwar nicht verhindern, aber nachdem das Schloß geplündert und in Flammen geſetzt war, da drang er wieder ein, um wenigſtens mich zu retten. Wäre er einen Augenblick ſpäter gekommen, ſo hätte er mich nicht retten können.

Ich erfuhr jetzt, daß Francesco an dem ganzen Ereigniſſe unſchuldig und ſelbſt das Opfer des ſchwärze⸗ ſten Verraths geworden war. Obgleich er noch heftig

Der Schutzgeiſt. II. 18