270 Pläne vernommen hatten, Parthy zur eiligſten Flucht an. Nur mit Gewalt mußten ſie ihn aus den Armen ſeiner Geliebten losreißen, und ihn ſeiner unbewußt mit ſich fortſchleppen.
Eliſe war von einem Fieberſchauder durchzuckt in das Zimmer zurückgegangen, konnte es aber in dieſer ſchauerlichen Einſamkeit nicht länger aushalten. Sie bedurfte des Troſtes und ſehnte ſich darnach. Leiſe be⸗ gab ſie ſich vor die Thür des Kämmerleins, wo hinein ihr Vater ſich verſchloſſen hatte, klopfte mehreremale an und jammerte:„Vater! Vater! kommt zu mir! ſprecht Eurer unglücklichen Tochter ein Wort des Troſtes zu: ich kann nicht länger in dieſem Zuſtande bleiben!“
Aber der Vater hörte ſie nicht; denn er hatte die Welt und Alles was darin war, vergeſſen. Er lag in ſeinem Zimmer mit gefalteten Händen auf den Knieen, und ſchüttete ſein Herz und ſeine Leiden vor dem aus, den er zwar ſtets als einen geſtrengen und unerbittlichen Richter, aber auch als einen liebevollen und vergeben⸗ den Vater hatte anbeten lernen, und der ſich ihm auch jetzt als ein Vater der Barmherzigkeit und als ein Gott des Troſtes offenbarte.
Vierundzwanzigſtes Kapitel.
Nach wenig' o wie ſchnellen Stunden Wenn Du mich ausgebildet haſt, Bin aller Bande ich entbunden, Bin ich entlaſtet jeder Laſt. Die letzte Zähr iſt bald geweint, Dem Staube bald mein Staub vereint. Lavater.
Wir verfügen uns wieder in Herrn von Solin⸗ gens Haus, wo Tekla's Erſcheinung eine ſo große


