Teil eines Werkes 
Entstehung
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Fluch, welcher auf ihrer Familie ruhete, erfüllte ſie mit Entſetzen. Unbeſchreiblich war daher ihre Freude, als ſie den geliebten Sohn ſo plötzlich vor ſich ſahen; und nicht minder, daß die ſo geheimnißvoll verſchwundene Emma ſich zu gleicher Zeit ihren Augen zeigte. Sie bemerkten bald, daß das Verhältniß der jungen Leute, welches ſie längſt aufgelöst hielten, noch eben ſo innig war als frü⸗ her. Dieſe Entdeckung erfüllte ihr Herz mit der reinſten Freude.:

Nachdem das erſte Gefühl der Ueberraſchung gewi⸗ chen und die vielen Fragen der glücktichen Eltern, wenn auch nicht ganz befriedigend beantwortet waren, faßte Moritz ſeiner Geliebten Hand und ging mit ihr zu ſei⸗ nem Vater, veſſen Auge wohlgefällig auf dem jungen Paare ruhete. Darauf ſanken ſie beide vor ihm auf die Kniee und baten mit gerührter Stimme um ſeinen vä⸗ terlichen Segen.

Gott ſegne Euch, meine Kinder! ſprach der

Vater tief bewegt, während ſeine Gattin neben ihn trat und ihren Arm um ſeinen Hals ſchlangſeyd glück⸗ lich in gegenſeitiger Liebe und möge jede Trübſal durch Gottes Güte von Euch abgewandt werden!

Kaum hatte er dieſe Worte ausgeſprochen, als eine Stimme in ihrer Nähe mit einem feierlichen Tone: Amen! ſagte. Alle ſahen ſich erſtaunt um, und vor der geoffneten Thür zeigte ſich Tekla's ehrwürdige Ge⸗ ſtalt. Die beiden jungen Leute, welche wieder aufgeſtan⸗ den waren, äußerten nicht dieſelbe Verwunderung, welche dieſe Erſcheinung bei den Eltern, die ſie nie zuvor geſe⸗ hen hatten, hervorbrachte. Beſonders war der Vater auf eine ſeltſame Weife bewegt, es war ihm, als höre er dieſelbe Stimme, welche vor beinahe dreiundzwanzig Jahren, am Abend des Tages, wo ſein Sohn zur Taufe gehalten worden war, in demſelben feierlichen Tone ſein Gebet für das Wohl ſeines Sohnes bekräftigt hatte.