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Dekla ſich immer von Zeit zu Zeit auf dieſer Inſel hat ſehen laſſen. Auch noch jetzt iſt ſie oft plötzlich von hier auf eine ſo geheimnißvolle Weiſe verſchwunden, und Niemand kann es begreifen, auf welche Weiſe ſie das feſte Land erreicht hat.“
„Finden ſich denn keine Neugierige, welche ihre Ab⸗ weſenheit benützen, um ihre Hütte zu unterſuchen, und findet man dort nichts, was nähere Auskunft geben könnte?“
„Euch die Wahrheit zu ſagen;“— antwortete Herr von Heerema zögernd—„ſo hegen unſere wackere Inſulaner, obgleich man ſie weder der Furcht, noch ei⸗ ner übertriebenen Beſcheidenheit beſchuldigen kann, eine abergläubiſche Ehrfurcht gegen die Alte. Ob die ge⸗ heimnißvollen Zeichen, welche man in ihrer Abweſenheit an der Thüre findet, oder andere Gründe ſie zurückhal⸗ ten, vermag ich nicht zu ſagen, doch ſo vieb iſt gewiß, daß ihre Wohnung ſtets als ein Heiligthum betrachtet wird, und ebenſo ſicher und unangetaſtet bleibt, als wenn Hunderte von Bewaffneten ſie ſchützten.“
„Und das, was dem wilden Hato wiberfuhr, iſt auch hinreichend, um einem jeden ſeine Neugierde zu benehmen!“— bemerkte Tante Barbara, mit ge⸗ heimnißvoller Miene..
„Laß doch den Altenweiberſchnack ruhen, Bar⸗ bara!“— ſprach ihr Bruder—„was würde unſer Gaſt von uns denken, wenn es ihm ſchiene, daß wir ſo etwas glauben könnten.“
„Dennoch erſuche ich freundlichſt“— ſagte Moritz —„mir dieſen Vorfall zu erzählen. Es darf Euch nicht wundern, daß Alles, was dieſe Alte, mit der ich ſo wunderbar zuſammentraf, betrifft, es ſey wahr oder er⸗ dichtet, meine Theilnahme ſehr in Anſpruch nimmt.“
„Ich wiederhole es Euch,“— ſagte Frau von Heerema,—„es lohnt ſich nicht der Mühe, daß vernünf⸗ tigen Leute auch nur einen Augenblick ſolchem Gewäſche von Kinderwärterinnen und Ammen das Ohr leihen.


