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15 alles glauben wollen, was die Leute ſagen, daß Tekla, wenn ſie nur will, ihre Gäſte ſo gut als die erſte Fürſtin be⸗ wirthen kann; obgleich, ich geſtehe es gern, es nicht be⸗ greife, wie ſie dies in ihrer baufälligen Hütte bewerk⸗
ſtelligen kann. Der Himmel gebe nur— und ich will es gern glauben,“ ſagte ſie mit einer bedenklichen Miene, welche vielmehr ihren Unglauben verrieth—„daß ſie
die zu ihrer Verfügung ſtehenden Schätze auf eine ehr⸗ liche Weiſe erworben hat.“
„Wir würden Unrecht thun, wenn wir den thörich— ten Erzählungen dieſer Inſelbewohner Glauben ſchenken wollten“— ſagte Frau von Heerema in einem ſpötti⸗ ſchen Tone zu ihrer Schwägerin—„und wir würden lieblos handeln, wenn wir, indem wir dieſe Ungereimt⸗ heiten für Wahrheit annähmen, über dieſe Frau ein ungünſtiges Urtheil fällen wollten; über eine alte Frau, welche noch niemals Jemanden beleidigte, wohl aber ſchon mehreremale unſrer Familie Zeichen von Anhäng⸗ lichkeit, und anderen, ihr ganz fremden Perſonen Be⸗ weiſe ihrer großmüthigſten Geſinnung gegeben hat.“
„Aber wer kann denn dieſe merkwürdige alte Frau ſeyn?“— fragte Moritz, welcher dieſe Gelegenheit ſchnell auffaßte, um etwas Näheres über eine Perſon zu erfahren, welche ſeine Theilnahme ſchon in einem ſo hohen Grade in Anſpruch genommen hatte.—„Sie ſcheint ſchon lange auf dieſer Inſel gelebt zu haben, und muß daher nothwendig deren Bewohner näher bekannt ſeyn.“
„Und dennoch werdet Ihr Niemanden auf der gan⸗ zen Inſel finden, welcher Eure Frage zu beantworten im Stande wäre,“— erwiederte ſein Wirth—„ob⸗
gleich es hier ebenſo wenig als anderswo an Neugie⸗
rigen fehlt.“
„Sie iſt alſo nicht auf dieſer Inſel geboren?— fragte Moritz aufs Neue.
„Soviel man weiß, nein. Doch bezeugen es die älteſten Leute, daß, ſo lange ſie denken können, die alte


