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9 men. Doch moͤchte ich Euch meine Daukbarkeit an den Tag legen, wenn ich nur wüßte, auf welche Weiſe?“
„Weder Ihr, noch irgend ein Weſen auf dieſer Erde“ — etwiederte die Alte—„ſeyd im Stande, nur einen labenden Tropfen in den bittern Kelch meines Leidens zu gießen. Und doch Ihr— ja Ihr allein würdet dies vermögen: auf welche Weiſe, das wird die Zukunft Euch offenbaren. Jetzt verlaßt mich, Jüngling, kehret nie⸗ mals hierher zurück, es möchte denn ſeyn, daß ich Euch darum erſuchen ſollte.“.
„Ich werde auf dieſer Inſel nur wenige Tage zu⸗ bringen; wird es mir vor meiner Abreiſe noch einmal erlaubt ſeyn, eine Frau wieder zu ſehen, welche ſich mir ſo wohlwollend bewies und mir die lebhafteſte Theilnahme einflößte?
„Ihr werdet vielleicht länger hier verweilen, als Ihr es vermuthet, länger, als es zu Eurem Glücke und Seelenheile dienlich iſt. Vor Eurer Abreiſe ſehen wir uns ohne Zweifel wieder. Jetzt nur noch eine Ermah⸗ nung: Seyd auf Eurer Hut bei den Gefahren, welche Euch bedrohen; hütet Euch vor einem jeden unbedacht⸗ ſamen Schritt; ſelbſt dann, wenn ein Weſen in Engels⸗ geſtalt Euch dazu verleiten ſollte. Bei einer jeden Hand⸗ lung, welche auf Euer ſpäteres Leben Einfluß haben kann, müſſe ſtets ihr Bild Euch vorſchweben!“
Nachdem ſie dieſe Worte gefagt hatte, trat die Alte aus der Hütte und zeigte dem Jünglinge den Weg nach dem nächſten Dorfe Hollum, von wo aus man ihn nach Ballum, in deſſen Nähe das Schloß läge, führen würde. Sie ſchien ihm eine jede Gelegenheit zu einem weiteren Geſpräche nehmen zu wollen, denn noch ehe Moritz ihr Lebewohl geſagt hatte, war ſie ſchon wieder in die Hütte getreten und hatte die Thüre verſchloſſen. Es blieb ihm alſo nichts weiter übrig, als ſich durch den dicken Sand zu arbeiten, und über das Geſchehene nach⸗ zudenken. Er mußte ſich geſtehen, daß er trotz der Ar⸗


