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Prinzen erlaubt habe, die weltliche Obrigkeit in Anſpruch nehmen müſſe. Noch ungewiß, was er thun wolle, folgte er ihm ſogleich in das Haus, um ſeine Eliſe zu rufen, denn wenn er ihr auch die ganze Sorge für das Haus überließ, ſo hielt er es doch für gefährlich, ſie mit einem ſolchen Menſchen in Berührung kommen zu laſſen, obgleich er ſonſt nichts darin fand, ſie mit jungen Leuten, welche ihr viel gefährlicher werden konnten, ungeſtört zuſammen zu laſſen. Sein wiederholtes Rufen bewirkte auch, wie wir ſchon hörten, daß ſie ihren Geliebten verließ, und eiligſt ſich nach dem Hauſe begab. Kaum war ſie ein⸗ getreten, ſo rief ihr der Vater zu:
„Begieb Dich zu Bette, mein Kind! Du biſt den ganzen Tag auf den Beinen geweſen, und mußt morgen wieder früh bei der Hand ſeyn. Ich werde mit Hans, dem Stallknechte, hier alles ordnen. Jetzt gehe, Eliſe, und ſchicke ihn gleich her.“
Kein Befehl hätte in dieſem Augenblicke Eliſen willkommener ſeyn können. Ihr Gemüth war ſo ein⸗ genommen, daß Einſamkeit ihr das größte Bedürfniß war. Sie gehorchte daher ihrem Vater augenblicklich, überließ ſich in ihrem Kämmerlein ihren Nachgedanken, und betete inbrünſtig zu Gott.
Unterdeſſen hakte der Reiſende eine Kanne Wein gefordert, und richtete, als habe er die Unterhaltung ganz vergeſſen, an David einige gleichgültige Fragen. Der Alte jedoch hatte ihm barſch den Rücken zugewandt, und ihm durch Hans den Wein, wahrſcheinlich aber nicht vom beſten reichen laſſen. Da dieſer merkte, daß ſein Herr nicht viel für den Fremden über habe, ſo war er auch nicht ſehr zuvorkommend, und mit einem ver⸗ ächtlichen Blicke auf ſeine abgenutzte Kleidung murmelte er ſo halb für ſich: Der hätte auch beſſer gethan in den drei Finken— eine gemeine Herberge in der Nach⸗ barſchaft— einzukehren, wo auch wohl noch ein friſches
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