Teil eines Werkes 
1.-3. Theil (1844)
Entstehung
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bekannt gemacht habe, noch ihr Herz irgend ein Arg ver⸗ muthete. Obgleich Eliſe von ihm gefordert hatte, ſich ihrem Vater zu erklären, ſo hielten ihn doch vorläufig noch dringende Gründe davon ab. Wenn auch Eliſens Vater ſeiner religiöſen Schwärmereien wegen ſich weni um ſeine Tochter kümmerte, ſo hatte das liebliche Mäd⸗ chen kein Bedenken gefunden, eine Verbindung dieſer Art ohne ihres Vaters Wiſſen anzufnüpfen; doch ihr natür⸗ licher Verſtand und ihre kindlichen Gefühle ſagten ihr bald, daß dieß anders werden und daß der alte Vater davon in Kenntniß geſetzt werden müßte, weßhalb ſie auch ihren Geliebten dringend daran mahnte.

Alles dieß ſchwebte Lutin auf ſeinem Wege nach Leyden, das Ziel ſeines nächtlichen Spazierganges, vor ſeiner Seele. Freudig verglich er ſeinen jetzigen Zuſtand mit dem früheren. Er berechnete wie viel Zeit wahrſcheinlich noch verſtreichen müſſe, ehe er beim Vater um die Tochter werben könnte; er glaubte ſich mit der Hoffnung, daß es ſchon in wenigen Tagen geſchehen konnte, ſchmeicheln zu dürſen, und ein Vorgefühl reiner Seligkeit durchzuckte ſein ganzes Weſen. Von ſolchen Gefühlen durchdrungen blieb er, unwillkürlich einen Au⸗ genblick ſtehen, und richtete voll Entzücken ſeinen Blick gen Himmel. In dieſem Augenblick erhob ſich in ſeiner Nähe ein ſonderbares Geſchrei, wonach er ſich erſchreckt umſah. Aus der Spitze eines Baumes ſlog eine Eule mit widerlichem Geſchrei hervor, und ſchwebte ſo dicht über ſeinem Haupte, daß die Flügel ihn beinah berührten, und die Kühlung, welche ſie ihm anweheten, ihm einen kalten Schauder über den ganzen Körper hervorlockte. Heftig erſchreckt trat Lutin einige Schritte zurück; er zitterte an allen Gliedern, und ein dunkler Nebel ſchien ſich um ihn zu verbreiten, der die liebliche, von dem Monde beleuchtete Landſchaft in einen ſchwarzen Flor

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