Teil eines Werkes 
1.-3. Theil (1844)
Entstehung
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O, nun biſt Du mir doppelt theuer; ſagte Eliſe mit Thränen in den Augen und einem Lächeln auf ihrem holden Antlitzenun ſehe ich, daß Du wirklich ein braver und gefühlvoller Menſch biſt. Jemand, der ſo ſpricht, kann nicht gleichgültig in religiöſen Ge⸗ ſinnungen ſeyn. Nein, Du hiſt kein Arminianer; oder wenn Du es wäreſt denn ich will Dir jetzt offen geſtehen, daß ich es zuweilen befürchtete dann hat der Herr mein Gebet erhört, und das verirrte Schaaf zur Heerde zurückgeführt.

Ja, bete für mich, Eliſe! ſagte Lutin, indem er ſich aufrichtete, da des Vaters Stimme ſich wieder⸗ holt, ſeine Tochter rufend, hören ließ, und Eliſe ängſt⸗ lich ihren Geliebten, ſich zu entfernen antriebbete oft und feurig für mich. Dein reines Gebet wird ſicher erhört werden, und Du wirſt ſo meine Seele von dem Verderben gerettet haben.

Nachdem er dieſe Worte geſagt hatte, preßte er das Mädchen feurig an ſeine Bruſt, drückte einen Kuß auf

ihre Lippen, und war in einem Nu über einen Graben

geſprungen und aus ihren Augen verſchwunden. Er

ſchritt eine kurze Zeit auf einem Fußwege fort und war.

bald auf der Landſtraße nach Leyden. Langſam ging er weiter, und er konnte ungeſtört ſeinen Gedanken nach⸗ hängen, da die ſchon eingetretene Nacht ihm kein leben⸗ diges Weſen zuführte. Er erinnerte ſich ſeiner erſten Bekanntſchaft mit Eliſen, welche wenige Wochen zu⸗ vor in einer Bauernwohnung zu Waſſenaar Statt gefunden hatte, und zwar unter Umſtänden, welche ihn mit Eliſens vortrefflichem Herzen bekannt machten. Von dieſem Augenblicke an war die ihm ſchon längſt entſchwun⸗ dene Hoffnung wieder belebt; er überdachte den ſtufen⸗ weiſen Fortgang ſeiner Bekanntſchaft mit dieſem vor⸗ trefflichen Mädchen, wie er ſie lieb gewonnen und ſie ihm Gegenliebe geſchenkt, ohne daß er ſich ihr näher