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ſerm Trübſal verſchafft, wenn wir unſer Herz vor Gott ausſchütten können. Sieh, ich bin noch jung, und habe noch nicht viel Böſes erfahren; aber! dennoch habe ich ſchon erfahren, daß man Niemanden beſſer, als dem himmliſchen Vater ſeine Noth klagen kann. Ich erinnere es mir noch ſehr gut, als meine Mutter ſtarb— ich war damals kaum zwölf Jahre alt— und als ich ſo tief betrübt war, und es mir ſchien, daß ich nie wieder heiter werden könnte— wie mir da plötzlich die Worte, welche die gute Frau ſo oft, und noch kurz vor ihrem Tode zu mir geſprochen hatte, wieder einfielen: Eliſe, — ſagte ſie— Suche in Deinem Unglück keinen Troſt bei den Menſchen, ſondern nur da, wo er allein zu finden iſt, bei Deinem Vater im Himmel! Bete mein Kind! und Deine Seele wird aufgerichtet werden, und ſtatt mit Bitterkeit und Wermuth, mit himmliſchen Thau⸗ tropfen gefüllt werden. Sieh, dieſe Worte ſchwebten mir damals vor, ich trennte mich von der Leiche der geliebten Verſtorbenen, ging in den einſamſten Winkel unſeres Hauſes, fiel auf meine Kniee, hob meine kind⸗ lichen Hände empor und ſtammelte ein Gebet. O! könnte ich Dir jetzt einen Begriff von dem beſeligenden Troſt geben, der damals in mein Herz niederſtieg! Doch nein, ich vermag es nicht. Ich trauerte wohl noch um den Verluſt der ſorglichen Mutter, und weinte noch Thrä⸗ nen auf ihrem Grabe; aber meine Trauer war ruhiger, und mit einem unerklärlichen Gefühl von Freude ver⸗ bunden. Ich konnte mich ſchon freuen, daß die geliebte Mutter von allen irdiſchen Leiden befreit und unter die Auserwählten im Himmel aufgenommen war. Ich konnte mit ſeligem Entzücken an ſie denken, und ihr feurig für alle Beweiſe der Liebe danken, welche ich von zarteſter Kindheit an von ihr empfangen hatte— beſonders, daß ſie mich beten lehrte.“ Sie ſchwieg und wiſchte ſich die Thränen, welche
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