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ſelbſt getadelt, daß ich Dich ſo oft im Geheimen ge⸗ ſehen und geſprochen habe. Darin handelte ich ſehr un⸗ recht, und es hat mir vorige Nacht, welche ich faſt ſchlaflos hinbrachte“ viele Thränen gekoſtet.“
„Beruhige Dich, liebes Mädchen!“— ſagte Lu⸗ tin, indem er Eliſe zärtlich umarmte, welche ihr Haupt, wahrſcheinlich um ihre Thränen zu verbergen, an ſeine Bruſt lehnte—„Ich habe Dich nur noch um einen Aufſchub von wenigen Tagen gebeten, dann will ich ſelbſt zu Deinem Vater gehen, und ihn um ſeinen Segen ditten. So lange bitte ich, Dich zu gedulden. Du wirſt mir dieſe Bitte nicht abſchlagen, da Du an mei⸗ ner Liebe und der Aufrichtigkeit meiner Abſichten nicht zweifelſt.“
„Daran zweifle ich keinen Augenblick, aber ich weiß auch, es einer Tochter nicht geziemt, vor ihrem Vater eitk Geheimniß zu haben, noch eine Verbindung anzuknüpfen wie die unſrige iſt, und am wenigſten ih⸗ rem Geliebten heimlichen Zutritt zu geſtatten. Außerdem kann es auch nicht lange mehr verborgen bleiben; unſre Nachbarn werden es erfahren, und dann dem Ganzen eine ſolche Deutung geben, wodurch mein guter Ruf gefährdet werden kann. Du mußt mir daher verſprechen, denn nur deßhalb habe ich Dir dieſe Zuſammenkunft be⸗ willigt, und Dein Verſprechen tren halten, daß Du keine weitere Verſuche machen willſt, mich zu ſehen, bevor Du mit meinem Vater geſprochen und ſeine Einwilligung erwirkt haſt. Du verſprichſt es mir?“
„Gern, meine Eliſe! und namentlich, wenn, wie ich hoffe, die Umſtände mir erlauben, noch vor Ende dieſer Woche mit Deinem Vater zu reden. Sollte dieß der Fall nicht ſeyn, dann wird doch Dein mitleidiges
S mich nicht zu einer noch längern Trennung verur⸗ theilen.“ „Aber ich verſtehe durchaus nicht, was Dich ver⸗
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