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hatten, in unſrer väterlichen Wohnung einen Beſuch ab⸗ zulegen.
Ehe ich jedoch in das Zimmer trat, hatte ich meinen Begleiter, den Gärtner von mir entfernt, weil ich bei der vorhabenden Unterſuchung lieber allein ſeyn wollte. Wenn ich in den übrigen Theilen des Gebäudes eine große durch den Jahn der Zeit bewirkte Veränderung bemerkt hatte, ſo läßt ſich leicht denken, daß es in der zerlumpten Kammer, welche früher ſchon ſehr im Verfall geweſen war, jetzt nicht beſſer ausſehen konnte als ſonſt. Du wirſt einſehen, daß ich gewiſſermaßen erſtaunt war, als ich, nachdem ich die Thür geöffnet hatte, das Innere ziemlich in Ordnung fand, und außerdem mit einem kleinen Tiſche und ein paar Stühlen verſehn. Das Ueber⸗ raſchende dieſes Anblicks wurde nicht wenig vermehrt, als ich vor dem geöffneten Bücherſchranke einen Menſchen gewahr wurde, der mit dem Rücken nach mir zugewandt, ſo ſehr in das Durchleſen einiger Papiere, welche er in der Hand hielt, vertieft zu ſeyn ſchien, daß er den Her⸗ eintretenden nicht ſogleich bemerkte. Ein menſchliches Weſen an einem Orte zu gewahren, welcher früher⸗ hin, als das Gebände noch bewohnt war, ſo ſehr ſel— ten beſucht wurde, dies mußte mich natürlich ſehr be⸗ fremden.
Da der Unbekannte mich nicht ſogleich bemerkte, ſo hatte ich Gelegenheit, mich zuvor in dem Gemache um⸗ zuſehen; und ich bemerkte jetzt eine Ordnung und Nettig⸗ feit, welche nie zuvor darin zu finden war. Der Fuß⸗ boden ſchien gehörig gereinigt, die Scheiben gewaſchen, und die Tapeten, welche früher zugleich zu einem Teppich zu dienen ſchienen, lagen in einer Ecke des Zimmers auf⸗ gerollt. Ein kleiner Tiſch in deſſen Mitte war mit Schreibgeräth und einer Menge von Papieren bedeckt. Die grünen Thüren des Bücherſchrankes, welche ich frü⸗ her nie offen geſehn hatte, waren jetzt ganz geöffnet und boten mir eine freie Ausſicht in das Innere. Dieſer be⸗ ſtand zwar aus meiſt leeren Brettern, doch einige hin


