Teil eines Werkes 
1.-3. Theil (1844)
Entstehung
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Dich Henriette auf den brüderlichen Beiſtand bei den kleinen Gefahren, welche uns hätten begegnen können. An meiner Hand ſchritteſt Du unbeſorgt über den ſchma⸗ len Steg, und neben der Wohnung eines unſerer Arbeiter vorbei, deſſen großer Haushund, durch die Bohnenſtange, womit meine rechte Hand bewaffnet war, in ehrfurchts⸗ voller Ferne blieb. Einmal jedoch erinnerſt Du Dich noch des Tages? wagte er es auf uns zuzukommen; und wenn gleich mein Herz ängſtlich ſchlug, und mich anſpornte, mich durch eine ſchnelle Flucht aus dem Be⸗ reiche dieſes boshaften Thieres zu retten, ſo beſiegte ich doch meine Furcht. Der Gedanke an Dich ſtärkte meinen Muth und meine Kraft, und ließ mich den Kampf gegen das wüthende Thier wagen. Nicht ohne Blutvergießen be⸗ hauptete ich den Sieg. Das Verlangen, das Vertrauen, welches Du in mich ſetzteſt, nicht zu Schanden werden zu laſſen, und in Deinem Beiſeyn Beweiſe einer Unverzagt⸗ heit zu geben, flößte mir dieſen, meine Jahre übertref⸗ fenden Muth ein. Denn wenige Tage zuvor wurde es mir nicht ſchwer, bei einer ähnlichen Gelegenheit das Ha⸗ ſenpanier zu ergreifen, und eben ſo heldenmüthig als der römiſche Dichter Horaz, unter den Bannern des Vater⸗ mörders Brutus in der Schlacht bei Philippi käm⸗ pfend, non bene relicta parmula, (feig meine Waffen aufgebend)

die Flucht ergriff.

Endlich erreichte ich das Dorf, und ich hatte mich kaum mit dem Einen oder Andern alten Bekannten un⸗ terhalten, als ich mich ſchon von einer großen Anzahl Dorfbewohner umringt ſah, welche meine Ankunft erfahren hatten, und ſich mir mit den unzweideutigſten Beweiſen der Freundſchaft näherten und mich mit tauſenden von Fragen beſtürmten. Man erkundigte ſich nach einem jeden Mitgliede unſrer Familie; doch ganz beſonders wareſt Du, Henriette, der Gegenſtand der Fragen dieſer guten Leute, welche für Dich eine ſolche Anhänglichkeit an den