Teil eines Werkes 
1.-3. Theil (1844)
Entstehung
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in Vater Cats beſahen, waren ebenfalls verſchwunden; ſelbſt nicht einmal mehr der Ort, wo ſie geſtanden hatten, wieder zu erkennen.

Wie erwachten bei der Betrachtung dieſer Orte, welche Zeugen der Freuden meiner Kinderjahre geweſen waren, alle Erinnerungen in meinem Geiſte! bei einer jeden ſpielteſt Du, Henriette, eine wichtige Rolle. Wir beide waren die jüngſten Mitglieder der Familie, und unbedeutend war der Unterſchied unſrer Jahre. Daher waren wir gewöhn⸗ lich zuſammen und Zeugen unſerer gegenſeitigen Spiele. Du begleiteteſt mich, wenn ich mit meinem Bogen und den Pfeilen bewaffnet, durch den Hof in das Hölzchen lief, wo meine kindliche Einbildungskraft mich allerlei großar⸗ tige Pläne entwerfen ließ. Und wenn ich auch an Deinen Spielen, die nicht ſo ungeſtüm als die eines wilden Kna⸗ ben waren, keinen Theil nahm, ſo konnteſt du mich, Du wirſt es noch nicht vergeſſen haben, mit einem einzigen Worte, ja mit einem freundlichen Blicke Deines holden Antlitzes, den ganzen Tag bei Dir im Zimmer feſſeln, und an Deinen ſtilleren Unterhaltungen Theil nehmen laſſen. Du wareſt es, deren zartfühlendes Herz mich zuerſt auf das Grauſame meines Verfahrens aufmerkſam machte, wenn ich im Frühjahre Vogelneſter ſuchte und die Jungen herausnahm, Du wareſt es, welche meine jugendlichen Sitten zu verfeinern bemüht war, welches ſonſt Nie⸗ mand anders übernommen haben würde.

Nachdem ich den ganzen Morgen unter gemiſchten Gefühlen auf dem Landgut zugebracht hatte, begab ich mich nach dem Dorfe. Du kennſt den breiten hohen Pfad, der die Fußgänger dorthin führt. Zuerſt geht er zwiſchen zwei Reihen Lindenbäumen hindurch, und dann über fruchtbare Felder mit Tabak oder Küchenkräutern bepflanzt. Ungefähr auf der Hälfte wird er von einem ſchnell ſtrö⸗ menden Waſſer durchſchnitten, wo hinüber ein hölzerner ſchmaler Steg liegt. Wie oſt haſt Du dieſen Weg an meiver Seite und unter meinem Schutze betreten; und mit welchem unerſchütterlichen Vertrauen verließeſt Du