Teil eines Werkes 
1.-3. Theil (1844)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

14

bensabend, dieſen Ort, wo ſie ſo lange glücklich geweſen wären, verlaſſen zu müſſen. Denn da jetzt das Landgut verkauft iſt, und der neue Eigenthümer das Haus zum Abbruche beſtimmt hat, ſo kann er natürlich nicht län⸗ ger auf demſelben bleiben. Er führte mich in der gan⸗ zen Wohnung umher, von dem Keller bis auf den Bo⸗ den, und warnte mich hie und da, wo der Fußboden baufällig war, und wies mir die ſtärkſten Dielen an. In ein paar Gemächern prunkten noch die goldledernen Tapeten, eine Zierde früherer Zeiten. In den übrigen grinsten mich die nackten, ſchmutzigen Wände nicht ſehr freundlich an.

Du wirſt Dir jetzt einigermaßen einen Begriff ma⸗ chen können, Henriette, wie der Zahn der Zeit be⸗ trübend in unſrer elterlichen Wohnung gehaust hat: in dem Zimmer unſrer Kindheit, worin einſt eine zahlreiche Familie viele Jahre hindurch glücklich lebte; bis daß endlich eine jener Widerwärtigkeiten, denen der Menſch hienieden nur zu oft ausgeſetzt iſt, dem gemüthlichen Zuſammenleben ein Ende machte; bis daß der Tod der unvergeßlichen Frau, welche uns das Daſeyn ſchenkte, und die merkwürdigen Zeitereigniſſe unſrer Tage, uns Alle ſo plötzlich zerſtreute. Jetzt trennen ferne Laide und Meere die zahlreichen Mitglieder einer Familie, welche früher ſo einig in der engen Zurückgezogenheit einer länd⸗ lichen Wohnung zuſammenlebte.

Willſt Du jetzt den Garten mit mir durchlaufen, und mich dann noch nach dem Dorfe begleiten, ehe ich übergehe, um Dir das mitzutheilen, was mir insbeſon⸗ dere Veranlaſſung gab, Dir dieſen Brief zu ſchreiben?

Seit wir das Landgut verließen, wurde der Garten und die übrigen Ländereien verpachtet; daher manche Ver⸗ änderungen. Du würdeſt alſo vergebens das Dir ſo liebe Blumenbeet ſuchen, oder die dunklen Buchenalleen, wo wir ſo oft gegen die brennenden Strahlen der Sommer⸗ ſonne, oder gegen ein leichtes Regenſchauer im Frühjahre Schutz ſuchten. Auch und dieß betrübte mich am