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allerlei Liebkoſungen aus dem Hauſe hervorkommen würde. Doch dies geſchah nicht, und ich mußte geraume Zeit nachdenken, ehe es mir wieder einfiel, daß wir, als wir von hier wegzogen, den alten Sultan, mit einem großen Stein um den Hals, in einem der Teiche ertränkt hat⸗ ten. Dies war weder aus Grauſamkeit, noch aus Ge⸗ fühlloſigkeit geſchehen. Das gute Thier war durch das Alter und Blindheit ſo unbehilflich geworden, daß wir es in dieſem Zuſtande nicht gern fremden Händen zurück⸗ laſſen wollten, und es daher für beſſer hielten, auf ſolche Weiſe ſeinem Leben ein ſchnelles Ende zu machen. Jetzt erinnerte ich mich auch wieder, daß der Tod dieſes treuen Hundes auf uns alle, doch beſonders auf Dich und mich, Henriette, einen ſo ſchmerzlichen Eindruck gemacht hatte; und wie ich, der ich einen Augenblick Zeuge ſeines Todeskampfes geweſen war, bemerkte, daß der arme Sultan, ehe er in die Tiefe verſank, noch ein Mal den Kopf mit einer bittenden Bewegung nach uns erhob, im ſchnellen Trabe den verhängnißvollen Ort verließ, und noch Tage lang die Geſtalt des ſterbenden Thiers vor Augen hatte.
Doch ich fürchte, daß ich in meiner Beſchreibung zu umſtändlich werde; und obgleich ich weiß, daß es Dir nicht angenehm ſeyn wird, ſo will ich mich doch kürzer faſſen; denn ich habe noch viele Einzelnheiten mitzutheilen. Im Hauſe fand ich Alles, wie Du es Dir leicht vorſtellen kannſt, kläglich verfallen. Ich durchlief alle Zimmer: das blaue, das grüne, das Eß⸗, Gar⸗ ten- und Kinderzimmer, die dunkle ſchwarze Kammer, und das geheimnißvolle Gemach, welches bei uns unter dem Namen des zerlumpten Zimmers bekannt war..... Doch hierauf muß ich ſpäterhin zurückkommen. Unſer alter Gärtner, dem ich mich wieder zu erkennen gegeben hatte, und deſſen Augen, als er mich mit einem gutge⸗ meinten Händedruck begrüßte, mit Thränen angefüllt wa⸗ ren, begleitete mich. Er erzählte mir, wie ſehr er und ſeine Frau es bedauerten, noch ſo ſpät an ihrem Le—


