Teil eines Werkes 
1.-3. Theil (1844)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

uz˙j

12

das alte Gebäude mit einem Gemiſch von Freude und

Schwermuth, und es dauerte lange, ehe ich meine Augen davon abwenden und meinen Sitz, um mich dem Hauſe mehr zu nähern, verlaſſen konnte. Doch endlich ſtand ich auf, und meine Schritte beeilend, war ich bald durch das Holz in den Garten gekommen, und hatte nun das Ziel meiner Wanderung erreicht.

Da ich die Glasthüre, welche an dieſer Seite des Gebäudes auf einen kleinen innern Raum führt und in den Garten hinausgeht, verſchloſſen fand, ſo ging ich weiter, um an der andern Seite meinen Eingang zu ſu⸗ chen, und wenn mir dies nicht gelänge, mich bei dem Gärtner zu melden. Du verlangſt nicht, Henriette, daß ich Dir eind Beſchreibung von unſerem elterlichen Hauſe mache. Ohne Zweifel ſteht es Dir, ſo wie es früher war, noch eben ſo lebhaft vor Augen als mir; jedoch hat es einige Veränderungen erlitten. Alles ſieht mehr veraltert und baufälliger aus. Doch dies wird Dich nicht ver⸗ wundern, wenn Du bedenkſt, daß das Gebäude ſo lange unbewohnt ſtand. Beſonders das niedere hölzerne Ge⸗ länder, welches den Vorplatz abſchloß, und welches unſer jugendliches Ehrgefühl wenn Du Dich deſſen noch erinnerſt ſo gern durch ein eiſernes erſetzt geſehen hätte, war ganz verfallen und bot einen traurigen An⸗ blick dar. Als ich den innern Raum betrat, deſſen kleine Steine ſich beinahe ganz unter dem üppig wachſenden Gras und Unkraut verkrochen hatten, richtete ich meine Augen zufällig nach dem Platze, wo das große Hunde⸗ haus gewöhnlich ſtand, die zierliche Wohnung unſeres alten Sultans, dem Freunde unſerer Kindheit, und dem Schrecken aller Bettler und umherſtreifender Landläufer der ganzen Gegend. Das Haus ſtand noch an ſeinem alten Platze, und ſah noch ziemlich gut aus. Unwillkür⸗ lich trat ich näher. Ich weiß nicht wie es kam, aber ich lebte deutlich einen Angenblick in dem feſten Gedan⸗ ken, daß dies alte treue Thier, wenn auch zuerſt knur⸗ rend, doch ſpäterhin, als es mich wieder erkannte, unter