Teil eines Werkes 
1.-3. Theil (1844)
Entstehung
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11 ſtets für ein jedes Mitglied unſerer Familie eine treue und innige Anhänglichkeit bewahrt haben.

Noch eine halbe Stunde hatte ich unter freudigen und wehmüthigen Erinnerungen meinen Spaziergang fort⸗ geſetzt, als ich das kleine, in der Nähe des Gebäudes liegende Holz erreicht hatte. Es war ein herrlich ſchöner Tag: denn obgleich noch ſehr früh im Jahre, ſo fing doch ſchon die ganze Natur an, die Spuren und den Einfluß des herannahenden Lenzes aufzunehmen und zu offenbaren. Ich war tief in Gedanken verſunken, und bemerkte kaum, daß ich mich ſchon unter den ſtattlichen Eichen befand, welche noch blattlos, doch übrigens noch eben ſo majeſtätiſch als früher ihre Kronen gen Himmel emporhoben. Hier wurde ich plötzlich aus meinem Nach⸗ ſinnen durch den Geſang einiger Vögel, welche mich auf dieſem Grund und Boden zu bewillkommen ſchienen, her⸗ vorgezogen. Außer dem Lied der Lerche, welche hoch über mir in dem blauen Luftraume ihre frühen Lenzestöne ſchon hatte hören laſſen, war dies der erſte Geſang, den die erwachende Schöpfung mir zum Beſten gab. Ich blieb ſtehen, und während ich zuhörte, fiel mein Auge zufällig auf die rohe, von Baumzweigen zuſammengefügte Bank, welche hier im Holze, auf einer durch Kunſt ge⸗ bildeten Anhöhe aufgeſchlagen war. Gewiß erinnerſt Du Dich ihrer unter dem Namen Aſtbank. Es war der Lieb⸗ lingsplatz unſerer Eltern, und der Gränzpfahl, über welchen hinaus wir unſere Spiele nicht ausdehnen durf⸗ ten. Ich eilte auf die Höhe und ſetzte mich auf die Bank, welche jämmerlich verfallen und ganz mit Moos bewachſen war. Hier und da wuchſen zwiſchen den Riſſen Unkraut und Schwämme hervor, und Alles zeigte deut⸗ lich, daß ſeit vielen Jahren wenig für dieſen Fleck ge⸗ than war. Indem ich von dieſer Höhe mich umſah, ge⸗ wahrte ich zuerſt das Dach des Landhauſes mit dem alten Thurmchen, worin die Glocke hing, welche täglich drei Mal der Dienſtleute wegen geläutet wurde. Ich begrüßte

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