Teil eines Werkes 
1.-3. Theil (1844)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

10

aller der Mängel, welche einige Jahrhunderte gewöhn⸗ lich hinterlaſſen. Noch eine gute Stunde vom Dorfe ent⸗ fernt, zeigte ſich mir die Kirche und der Thurm. Jetzt war es mir unmöglich, noch einen Augenblick länger im Wagen zu bleiben. Ich befahl dem Fuhrmann zu halten, ſprang aus dem Wagen, und ließ ihn allein weiter fahren. Ich wollte nicht, daß ein Fremder Zeuge meiner Gefühle, dei der Anſchauung ſo vieler bekannter Gegenſtände, auf welche ich jetzt wieder zum erſten Male nach einer langen Reihe von Jahren meine Augen richtete, ſeyn ſollte. Zu Fuße folgte ich ihm langſam nach, gleichſam als müſſe ich mich auf das, was ſich mir in wenigen Angenblicken zeigen würde, vorbereiten.

Ich geſtehe Dir gern, daß mir mit einem jeden Schritte das Herz heftiger zu ſchlagen anfing, und daß ich insbeſondere, ich weiß nicht mit welchem wehmüthi⸗ gen Sehnen, der Zeit entgegenſah, wo ſich mir das Landhaus ſelbſt, durch die hohen Eichen hindurch, welche es umgaben, zeigen würde. Nachdem ich eine gute Vier⸗ telſtunde fortgewandelt, erinnerte ich mich, daß in der Nähe der Stelle, wo ich mich befand, ein Fußpfad ſeyn

müſſe, welcher mit vielen Krümmungen, an der linken

Seite des Wegs, über das an das Kornfeld gränzende Eichenhölzchen hinlief, welches ſich hinter dem Hauſe ausbreitete, und das Gebäude an jener Seite ganz ver⸗ ſteckte, bis daß man, aus dem Hölzchen in den dicht mit Bäumen bepflanzten Obſtgarten eintrat, und es plötzlich in geringer Entfernung vor ſich liegen ſieht. Bald hatte ich dieſen Weg wiedergefunden, und ſchritt auf demſelben vor. So brauchte ich nicht durch das Dorf zu gehen, ehe ich das alte Gebände, in deſſen Mauern wir das erſte Tageslicht erblickten, und worin wir ſo manche Stunde unſchludig vergnügt zubrachten, erreichte. Es lag in meinem Plan, zuerſt einige Zeit in der unmittel⸗ baren Umgebung des Hauſes zuzubringen, ehe ich die übrigen mir ſo theuer gewordenen Gegenſtände aufſuchte, und mich den Dorfbewohnern zu erkennen gab, die noch