Teil eines Werkes 
2. Theil (4. - 6. Buch) (1844)
Entstehung
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204 Schloß Windſor.

Ich kann nicht, ſagte Anna zurückhaltend;das hieße

ſich in eine noch ſchlimmere Gefahr ſtürzen. Ich kann jetzt

meine Seele noch retten, aber wenn ich Euer Anerbieten annehme, bin ich auf ewig verloren. Herne lachte höhniſch. Ihr habt von dieſer Seite nichts zu fürchten, ſagte er. Ich traue Euch nicht, erwiederte Anna.Ich bin

ſchon einmal der Verſuchung unterlegen und leide jetzt die

Strafe dafür.

Ihr klammert Euch an die Krone, ſagte Herne,weil Ihr wißt, daß Ihr ſie durch dieſen Schritt unwiederbringlich verliert. Und Ihr denkt irgend eine Veränderung könne beim Könige noch zu Euren Gunſten wirken. Es iſt eine eitle, trügeriſche Hoffnung. Wenn Ihr dieß Schloß mit dem Tower vertauſcht, ſo werdet Ihr eines ſchimpflichen Todes auf dem Block ſterben.

Was geſchehen wird, muß geſchehen, erwiederte

Anna.Ich will nicht auf dem Wege, den Ihr vorſchlagt, gerettet ſein.

Norris wird ſagen, und mit Recht, daß Ihr ihn nicht liebt, rief Herne.

Dann wird er mir unrecht thun, erwiederte Anna, denn ich liebe ihn auftichtig. Aber was bedeuten einige Jahre fieberiſcher Glückſeligkeit gegen endloſe Qualen?

Ich will Euch helfen, Euch ſelbſt zum Trotz, ſchrie Herne, ihren Arm ergreifend;Ihr müßt mit mir gehen!

Ich will nicht, ſagte Anna, auf die Kniee finkend. O! Vater der Gnaden! rief ſie nachdrücklich,befreie mich von dieſem Unholde!

So nimm dein Schickſal hin! uſ Herne, ſie wüthend von ſich ſchleudernd.

Und als ihr Gefolge, von dem Lürm erſchrect, ins Zimmer ſtürzte, fanden ſie ſie bewußtlos auf dem Fußboden liegen.