Teil eines Werkes 
2. Theil (4. - 6. Buch) (1844)
Entstehung
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202. Schloß Windſor.

Seine Hoheit hat das Schloß verlaſſen, erwiederte Suffolk,und es ſteht nicht zu erwarten, daß er dieſen Abend zurückkehren wird.

Ihr ſagt ſo, um mich zu täuſchen, rief Anna.Bringt mich zu ihm, daß ich mich ihm zu Füßen werfe. Ich kann ihn von meiner Unſchuld überzeugen, kann ſein

Mitleiden erregen. Führt mich zu ihm, ich beſchwöre Euch,

ich befehle Euch. Ich verſichere Euch, gnädigſte Frau, daß der König nach Hampton⸗Court abgereiſtt iſt, entgegnete Suffolk. Dann bringt mich dorthin unter ſtarker Bedeckung, oder ſo heimlich, als Ihr wollt, rief ſie leidenſchaftlich. Ich will auf der Stelle mit Euch umkehren, wenn es mißlingt.

Willigte ich auch in Euer Begehren ein, gnädige Frau, erwiederte Suffolk,es würde unnütz ſein, der König würde

Euch nicht annehmen wollen.

O, Suffolk! rief Anna, vor ihm auf die Kniee fal⸗ lend,ich habe Euch viele Gefälligkeiten in den Tagen meiner Reucht erwieſen und beim Könige immer auf Eurer Seite geſtanden. Erzeigt mir jetzt dieſe Gunſt. Führt mich zum Könige. Ich werde gewiß ſein Herz rühren, wenn ich ihn nur ſprechen kann.

Es würde mir den Kopf koſten, gnädigſte Frau, ſagte der Herzog mit unerbittlichem Tone.Steht auf, ich bitte Euch.

Ihr ſeid grauſamer, als der König, ſagte Anna auf⸗ ſtehend.Und nun, Mylords, fuhr ſie mit mehr Faſſung und Würde fort,da Ihr meine letzte Bitte abſchlagt und mir deutlich beweiſt, welche Art von Gerechtigkeit ich zu erwarten habe, will ich Euch nicht länger aufhalten. Ich bin bereit, Euch morgen früh nach dem Tower zu begleiten. Die Barke wird eine Stunde vor Tagesanbruch fertig ſein, ſagte Suffolk.