Teil eines Werkes 
2. Theil (4. - 6. Buch) (1844)
Entstehung
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Sechstes Buch: Johanna Seymvur. 201

ſie,ſo muß ich ſchon gehen, aber ich betheure meine Unſchuld und werde ſie bis zum letzten Augenblick betheuern. Ich bin ſeiner Hoheit immer eine treue und ergebene Ge⸗ mahlin geweſen, und obgleich ich mich, in Betracht der Größe meiner Verpflichtungen gegen ihn, nicht ſo demüthig und dankbar gegen ihn betragen haben mag, wie ich viel⸗ leicht geſollt hätte, ſo hade ich niemals in meiner Liebe und Treue gewankt. Ich habe eiferſüchtige und argwöhniſche Launen gegen ihn gehabt, beſonders in der letzten Zeit und habe ihn damit behelligt; aber ich bitte ihn für meinen Un⸗ bedacht um Verzeihung und, wenn ich mich von der gegen⸗ wärtigen Anklage gereinigt habe, will ich mich nie wieder auf dieſe Weiſe gegen ihn vergehen.

Wir werden alle Eure Worte dem König wieder be⸗ richten, verſetzte Suffolk ernſt,halten uns aber für ver⸗ pflichtet zu erwähnen, daß ſeine Hoheit nicht auf bloßen Verdacht handelt, ſondern ſtarke Beweiſe Eurer Schuld beſitzt.

Solche Beweiſe kann es gar nicht geben, rief Anna raſch.Wer find meine Ankläger und was bringen% gegen mich vor?

Ihr ſeid eines Anſchlags auf des Königs Leben und der Schändung ſeines Ehebetts angeklagt, antwortete Suf⸗ folk mit ſtrengem Ton.Eure Ankläger werden ſich zu ſeiner Zeit ſtellen.

Es ſind elende, zu dieſem Zwecke beſtochene Geſchöpfe,

rief Anna.Kein gewiſſenhafter Menſch würde einen ſolchen

Meineid wagen.

Die Zeit wird lehren, wer es iſt, gnädige Frau,

ſagte Suffolk.Aber da wir nun auf alle Eure Fragen

geantwortet haben, ſo bitten wir Euch, uns zu entlaſſen. Darf ich den König nicht ſehen, ehe ich nach dem

Tower gebracht werde? ſagte Anna, welche das Schreck⸗

ihrer Lage von neuem iberwültigi