Teil eines Werkes 
2. Theil (4. - 6. Buch) (1844)
Entstehung
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200 Schloß Windſor.

Ihr Wunſch ward erfüllt und ſie ſank auf die Kniee, um den Himmel um Vergebung ihrer mannigfachen Vergehungen anzuflehen.

Mögen meine Leiden hienieden mir in der Ewigkeit zu Gute kommen, rief ſieund möge mein Blut meine Schuld abwaſchen! Ich fühle die Unermeßlichkeit meiner Sünden und erkenne die Gerechtigkeit der Strafe an. Ver⸗ zeihe mir, o du geſchmähte Katharina verzeihe mir, ich flehe dich an. Du ſiehſt in mir das elendeſte, bejammerns⸗ würdigſte Weib des ganzen Reichs! Erniedrigt, vernach⸗ läſſigt, verachtet einen ſchmachvollen Tod vor Augen was kann mir noch Schlimmeres widerfahren? Deine Qualen waren groß, aber ſie waren niemals durch Gewiſſensbiſſe, wie die meinigen, geſchärft. O! könnte ich mein Leben noch einmal durchleben, ich würde allen glänzenden Verſu⸗ chungen widerſtehen, denen ich unterlegen bin und vor Allem, ich würde dich nicht verletzen. O! hätte ich Heinrichs Liebe widerſtanden ſeinen trügeriſchen Gelübden ſeinen verderblichen Lockungen! Aber was hilft alles Murren? Ich habe unrecht gehandelt und muß die Strafe für mein Ver⸗ brechen büßen. Mögen meine Thränen, meine Reue, mein Blut mir zur Sühne gereichen und mir die Vergebung des barmherzigen Richters, vor den ich bald treten werde, erwirken!

Mit ſolchen Gebeten und Klagen vollbrachte ſie mehr als eine Stunde, bis ihre Dienerſchaft hereintrat um ihr die Ankunft des Herzogs von Suffolk und des Lords Audley und Cromwell zu melden, welche Zutritt begehrten. Sie ging augenblicklich zu ihnen hinaus.

Wir ſind gekommen, gnädigſte Frau, ſagte Suffolk, um Euch zu benachrichtigen, daß Ihr morgen zu früher Stunde nach dem Tower abgeführt werden ſollt, um dort der Befehle des Königs gewärtig zu bleiben.

König es ſo will, Mylords, antwortete