Teil eines Werkes 
2. Theil (4. - 6. Buch) (1844)
Entstehung
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198 Schloß Windſor.

Ihr braucht nichts zu fürchten. Ich werde mit der Betheu⸗ rung Eurer Unſchuld ſterben.

Sir Heinrich Norris, ſagte der Herzog kalt,Eure eigne Unbeſonnenheit hat dieſe Folgen herbeigeführt.

Ich weiß es, erwiederte Norris,und ich verdiene die ſtrengſte Strafe, die mir dafür auferlegt werden kann. Aber ich erkläre hier vor Euch, wie ich auch auf der Folter erklären würde daß die Königin ganz unſchuldig iſt. Laßt ſie nicht für mein Vergehen büßen.

Ihr hört, was Sir Heinrich ſagt, rief Anna;und ich fordere Euch auf, das Zeugniß, welches er abgelegt hat, im Gedächtniß zu behalten.

Ich werde deſſen nicht ermangeln, gnädige Frau, er⸗ wiederte Suffolk.Eurer Majeſtät ſoll die ſtrengſte Gerech⸗ tigkeit widerfahren.

Gerechtigkeit! wiederholte Anna mit ungläubigem bit⸗ tern Lächeln.Gerechtigkeit von Heinrich dem Achten?

Ich bitte Euch, gnädigſte Frau, ſtürzt Euch nicht ins Verderben, ſagte Norris, indem er ſich ihr zu Füßen warf.Bedenkt, wo Ihr Euch befindet, meine Thorheit und Unbeſonnenheit haben Euch in dieſe Noth gebracht und ich flehe Euch um Verzeihung dafür an.

Ihr ſeid hiebei nicht zu tadeln, Norris, ſagte Anna es iſt das Schickſal, nicht Ihr, was mich vernichtet. Die Hand, die dieſen Schlag geführt hat, gehört einer Königin im Grabe.

Hauptmann Vouchier, ſagte der Pezog von Suffolk zu dieſem Offizier, welcher neben ihm ſtand,Ihr werdet Sir Heinrich Norris in Gewahrſam nach dem untern Thorwege bringen, von wo er nach dem Tower gebracht werden wird.

Lebt wohl auf immer, Norris! rief Anna.Wir werden uns hienieden nicht wiederſehen. In dem Geſchick, das mich betroffen hat, erkenne ich die Hand der Vergeltung.