Teil eines Werkes 
2. Theil (4. - 6. Buch) (1844)
Entstehung
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Sechstes Buch: Johanna Sehmvur. 197

Alle ſahen, daß etwas Ungewöhnliches und Schreckliches ſich begeben haben müſſe, obgleich wenige eigentlich wußten, was es wäre. Beſorgniß leuchtete aus allen Geſichtern und die allgemeine Beſtürzung ward noch durch die Angſt der Kö⸗ nigin vermehrt, die mit einem gellenden Schrei hinſank und von ihrem Gefolge bewußtlos fortgetragen ward.

Unfähig ſich bei dieſem Anblick zu beherrſchen, drang Norris durch die Wachen, und die Treppe hinaufſtürzend gelangte er bald in das Gemach, in das man die Königin geſchafft hatte. Dank der ſchnellen Hülfe, die ihr gereicht ward, erholte dieſe ſich bald wieder, und der erſte Gegen⸗ ſtand, auf den ihr Auge fiel, war ihr Geliebter. Bei ſei⸗ nem Anblick ſtrahlte ein zärtliches Lächeln über ihre Züge, aber ſie nahmen ſogleich einen ängſtlichen Ausdruck an.

In dieſem Augenblicke trat der Herzog von Suffolk mit Bouchier und einer Abtheilung Hellebardiere in's Zimmer, näherte ſich der Königin und ſprach:

Möge es Euch gefallen, gnädigſte Frau, Euch in ein inneres Zimmer zurückzuziehen. Ich bedaure, Euch ankün⸗ digen zu müſſen, daß Ihr verhaftet ſeid.

Verhaftet! ſchrie Anna;wegen welcher Verbrechen, Euer Durchlaucht?

Ihr ſeid der Verletzung der ehelichen Treue angeklagt, erwiederte Suffolk ernſt.

Aber ich bin unſchuldig, rief Anna,ſo wahr mich der Himmel richten wird, ich bin unſchuldig!

Ich hoffe, Ihr werdet es beweiſen können, gnädige Frau, ſagte Suffolk.Sir Heinrich Norris, Eure Perſon iſt gleichfalls verhaftet. i

Nun bin ich ganz verloren! rief Anna außer ſich.

Laßt Euch nicht durch dieſe falſchen und böswilligen Beſchuldigungen beunruhigen, gnädige Frau, ſagte Norris.

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