Viertes Buch: Cardinal Wolſey. 411
Königin, ſeine Hand mit Küſſen bedeckend.„Ich bin in der That Eure eigene ehrliche Käthe— Euer treues, lie⸗ bendes, rechtmäßiges Weib!“
„Erhebt Euch, Madame!“ ſagte Heinrich kühl— dieſe Stellung ziemt ſich nicht für Katharina von Arragonien.“
„Ich gehorche Euch, jetzt wie immer,“ antwortete ſie im Aufſtehen;„jedoch wenn ich der Eingabe meines Herzens folgen wollte, ſo würde ich mich nicht von den Knieen er⸗ heben, bis meine Bitte bewilligt iſt.“
„Ihr habt Unrecht gethan, Katharina, bei dieſen Um⸗ ſtänden hierherzukommen,“ ſagte Heinrich,„und könntet mich zu irgend einer harten Maßregel treiben, die ich gern ver⸗ mieden hätte.“
„Niemand weiß von meinem Kommen,“ antwortete die Königin,„als zwei treue Diener, die Stillſchweigen gelobt haben; und ich werde abreiſen, wie ich gekommen bin.“
„Es iſt mir angenehm, daß Ihr dieſe Vorſicht gebraucht habt,“ entgegnete Heinrich.„Nun ſprecht ohne Bedenken, aber noch einmal, faßt Euch kurz.“
„Ich will mich ſo kurz als möglich faſſen,“ antwortete die Königin;„aber ich bitte Euch, Heinrich, habt Geduld mit mir, wenn ich Euch unglücklicherweiſe ermüden ſollte. Ich bin voll Elend und Betrübniß, und nie war Tochter und Weib eines Königs ſo unglücklich als ich. Erbarmt Euch, Heinrich— erbarmt Euch! Thäte ich mir nicht Zwang an, ſo würde meine Seele in Thränen vor Euch zerfließen. O, Heinrich, nach zwanzig Jahren Liebe und Treue zu dieſer unaus ſprechlichen Schande gebracht zu werden— mit Unehre von Euch geſtoßen zu werden— von einer andern vertrieben zu werden— es iſt ſchrecklich!“
„Wenn Ihr nur hergekommen ſeid, Madame, um mir Vorwürfe zu machen, ſo muß ich dieſer Unterredung Einhalt thun,“ ſagte Heinrich ſtirnrunzelnd.


