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12 8 Winbſor
„Ich mache Euch keine Vorwürfe, Heinrich,“ antwortete Katharina ſanft—„ich wollte Euch nur die Tiefe und Größe meiner Betrübniß zeigen. Ich flehe Euch nur an, mir Recht und Gerechtigkeit widerfahren zu laſſen— mich nicht mit Schande zu überhäufen, um Eure eigene böſe That zu be⸗ ſchönigen. Habt Mitleid mit der Prinzeſſin, Eurer Tochter — ſchont ihrer, wenn ihr meiner nicht ſchonen wollt!“
„Ihr bemüht Euch vergebens, Katharina,“ erwiederte Heinrich.„Ich beklage Eure Umſtände, allein meine Augen ſind gegen den ſündenvollen Zuſtand vollkommen geöffnet, in dem ich ſo lange gelebt habe, und ich bin entſchloſſen, mich ihm zu entreißen.“
„Eine ungerechte Ausflucht,“ verſetzte Katharine,„durch die Ihr mein Verderben und Eure Verbindung mit Anna Boleyn zu erreichen ſucht. Und es wird Euch ohne Zweifel gelingen; denn was kann ich, ein ſchwaches Weib und eine Fremde in Eurem Lande, dagegen thun? Es wird Euch gelingen, ſage ich— Ihr werdet von mir geſchieden werden und ſie auf den Thron ſetzen. Aber merkt auf meine Worte, Heinrich, ſie wird nicht lange darauf bleiben.“
Der König lächelte mit Bitterkeit.
„Sie wird Unehre über Euch bringen,“ fuhr Katharina fort.„Das Weib, welches keine Ehrfurcht für ſo heilige Bande wie die unſrigen hat, wird keiner andern Verpflich⸗ tungen achten.“
„Nichts mehr davon!“ rief Heinrich.„Ihr laßt Euch von Eurer Empfindlichkeit zu weit treiben.“
„Zu weit!“ rief Katharina aus.„Zu weit!— wenn ich Euch warne, daß Ihr im Begriff ſeid eine Buhlerin zur Ehe zu nehmen, daß Ihr Eure Thorheit bitter bereuen werdet, wenn es zu ſpät iſt, heißt das zu weit gehen? Es iſt meine Pflicht, Heinrich, eben ſo ſehr wie mein Wunſch,


