10 Schloß Windſor.
ſtät,“ ſagte der Thürſteher,„bei der Urswick⸗Kapelle. Ich ſagte ihr, dies ſei nicht der Ort zu einer Audienz bei Eurer Majeſtät und auch nicht die Zeit; ſie wollte ſich aber nicht abweiſen laſſen und deshalb habe ich auf Gefahr Eures Allerhöchſten Mißfallens ihre Bitte anzubringen gewagt.“
Der Thürſteher vergaß zu ſagen, daß er hauptſächlich nur durch einen ihm von der Dame geſchenkten werthvollen Ring vermocht worden war, ſich dieſer Gefahr auszuſetzen.
„Gut, ich will dahin gehen,“ ſagte der König.„Ich bitte, entſchuldigt mich auf kurze Zeit, ſchönes Fräulein,“ ſetzte er gegen Anna Boleyn gewendet hinzu.
Und das Chor verlaſſend betrat er den nördlichen Gang. Indem er ſeine Augen die edle Säulenreihe hinunterſchweifen ließ und Niemanden erblickte, ſchloß er, daß die Dame ſich in die Urswick⸗Kapelle begeben haben müſſe. Und ſo verhielt es ſich auch, denn als er dieſe köſtliche kleine Stätte erreichte, gewahrte er darin eine hochgewachſene maskirte Dame in den reichſten ſchwarzſammtnen Roben. Indem er in die Kapelle trat, näherte ſich ihm die Dame, warf ſich vor ihm auf die Kniee und enthüllte, die Maske abnehmend, ſorgen⸗ und leidenvolle Züge, die jedoch einen Ausdruck der größten Würde beibehalten hatten. Es waren diejenigen Katha⸗ rinens von Arragonien.
Einen zornigen Fluch ausſtoßend, drehte ſich Heinrich auf dem Abſatze um und würde ſie verlaſſen haben, wenn ſie ihn nicht am Saum ſeines Kleides feſtgehalten hätte.
„Hört mich nur einen Augenblick an, Heinrich— mein König, mein Gemahl— nur einen einzigen Augenblick hört mich an!“ ſchrie Katharina in ſo leidenſchaftlich angſtvollen Tönen, daß er der Aufforderung nicht widerſtehen konnte.
„So faßt Euch kurz, Käthe,“ entgegnete er, ihre Hand ergreifend, um ſie zu erheben.
„Tauſend Segen über Euch für dies Wort!“ rief die


