Teil eines Werkes 
2. Theil (4. - 6. Buch) (1844)
Entstehung
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Viertes Buch: Cardinal Wolſey. 7

vertreter bei dem Verhör erſcheinen wollte, verließ ſeinen Palaſt zu Bridewell am Tage vor der anberaumten Sitzung und reiſte mit Anna Boleyn und ſeinem Gefolge nach Schloß Windſor.

Welche Gefühle auch insgeheim gegen ihn genährt wer⸗ den mochten, ſo ward Heinrich doch mit allen Zeichen der Liebe und Treue von den Einwohnern von Windſor empfangen. Betäubendes Zujauchzen durchwogte die Lüfte bei ſeiner An⸗ näherung; Segnungen und Glückwünſche ſtrömten auf ihn herab und hunderte von Mützen wurden in die Luft geworfen. Als er aber bemerkte, daß Anna Bolehn mit ſchelen Blicken und tiefem Schweigen empfangen ward, ſo legte Heinrich dies als eine Beleidigung gegen ſeine eigene Perſon aus und erwiederte die ihm gebotene Bewillkommnung nicht nur mit geringſchätzender und hochmüthiger Miene, ſondern ſuchte auch nach irgend einem Vorwande, um ſein Mißfallen laut werden zu laſſen. Glücklicherweiſe bot ſich ihm keiner dar und er betrat das Schloß in verdrießlicher Stimmung.

Der Tag verging mit einem leichten Spaziergange im Schloßpark und auf der Terraſſe, und der König erheuchelte die äußerſte Fröhlichkeit und Gleichgültigkeit; aber diejenigen, welche ihn kannten, bemerkten leicht, daß er ſehr übler Laune war. Am Abend beſchäftigte er ſich eine Zeit lang allein in ſeinem Kabinet mit Depeſchen und rief dann einen Diener, dem er Hauptmann Bouchier hereinzuführen befahl.

Nun, Bouchier, ſagte er, als dieſer Offizier anlangte, habt Ihr meine Befehle in Betreff Mabel Lyndwood's voll⸗ zogen?

Ja, Sire, erwiederte Bouchier.Auf Euer Majeſtät Befehl ritt ich gleich nach Eurer Ankunft im Schloß nach des Förſters Hütte und überzeugte mich, daß das Mädchen noch da war.