Teil eines Werkes 
2. Theil (4. - 6. Buch) (1844)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

5

3 3

6 Schloß Windſor.

zu ſeinem Empfange bereit und man hatte die größten An⸗ ſtrengungen gemacht, um ihm Glanz zu verleihen.

Trotz ſeines eigenſinnigen und tyranniſchen Characters war Heinrich ein beliebter Monarch und zeigte ſich ſeinen Unterthanen nie ohne ihren Beifall einzuärnten. Seine Prachtliebe, ſeine anſehnliche Geſtalt und ſein männliches Benehmen gewannen ihm immer die Huldigungen der Menge. Er war aber zu keiner Zeit in einer kritiſcheren Lage als gerade jetzt. Die beabſichtigte Eheſcheidung von Katharina von Arragonien war ein Schritt, der keinen Beifall unter dem beſſern Theile ſeiner Unterthanen fand, während die in Ausſicht ſtehende übelgepaarte Verbindung mit Anna Boleyn, einer entſchiedenen Lutheranerin, eben ſo tadelnswerth war. Der Samen der Zwietracht war in der Hauptſtadt weit umher geſtreut worden, und Unruhen hatten ſich erhoben, die wiewohl bald gedämpft, nichts deſtoweniger den König beunruhigten, da ſie die höhnenden Gegenvorſtellungen Frank⸗ reichs, die Drohungen des päbſtlichen Stuhls und die offenen

Feindſeligkeiten Spaniens im Gefolge hatten. Aber die eigen⸗

thümliche Hartnäckigkeit ſeines Characters feſſelte ihn an ſein Vorhaben und er beſchloß es durchzuſetzen, was auch die Folgen davon ſein möchten.

Alle ſeine Anſtrengungen, Campeggio auf ſeine Seite zu bringen, waren fruchtlos. Der Legat war taub gegen ſeine Verſprechungen und Drohungen, indem er wohl wußte, daß Anna Boleyn zu unterſtützen ſo viel wäre, als die In⸗ tereſſen der römiſchen Kirche weſentlich zu beeinträchtigen.

Die ſo lange und ſo künſtlich aufgeſchobenen Verhand⸗ lungen näherten ſich jedoch jetzt ihrem Ende. Die Legaten

ſetzten eine am 18ten Juni in Blackfriars abzuhaltende Ge⸗

richtsſitzung feſt, um die Frage zu entſcheiden. Gardiner war von Rom zurückberufen worden, um als Heinrichs Anwalt aufzutreten; und der König, der durch einen Stell⸗